Wer sich länger mit Hashimoto beschäftigt, merkt schnell, dass die Erkrankung nicht bei Diagnose, TSH und der täglichen Einnahme von Schilddrüsenhormonen endet. Hashimoto kann das Befinden über viele Jahre prägen, und gerade dann entstehen Fragen, wenn Beschwerden trotz Behandlung bleiben, sich die Belastbarkeit verändert oder neue gesundheitliche Themen hinzukommen.
Ich lebe selbst seit 2008 mit Hashimoto und habe in dieser Zeit erlebt, wie komplex die Erkrankung sein kann. Manche Zusammenhänge sind medizinisch gut verstanden, andere werden erst seit einigen Jahren intensiver untersucht. Dazu kommen Erfahrungen, die viele Betroffene machen, obwohl die Forschung noch keine eindeutige Erklärung dafür liefern kann.
Genau um diese weiterführenden Fragen geht es in diesem Ratgeber.
Ich greife Themen auf, die über die klassischen Grundlagen hinausgehen: anhaltende Beschwerden, Schilddrüsenhormone und Behandlung, Ernährung und Nährstoffe, Darm und Mikrobiom, Stress, Bewegung, Begleiterkrankungen sowie neue Forschung rund um Hashimoto und Autoimmunität.
Dabei möchte ich weder jede Beobachtung vorschnell zur bewiesenen Hashimoto-Folge erklären noch interessante Zusammenhänge nur deshalb abtun, weil die Forschung noch nicht abgeschlossen ist. Für mich ist entscheidend, zuerst ernst zu nehmen, was Hashimoto selbst bewirken kann, und anschließend genauer hinzusehen: Was wissen wir bereits, wo gibt es plausible Zusammenhänge, welche Fragen sind offen und was bleibt zunächst persönliche Erfahrung?
Chronische Müdigkeit bei Hashimoto: Wie du die wahren Ursachen erkennst und gezielt behandelst
Rotlichttherapie bei Hashimoto: Wie du deine Zellenergie steigerst und die Schilddrüse unterstützt
Sauna bei Hashimoto: Wie du dein Stresslevel senkst und damit die Schilddrüse entlastest
Nahrungsmittelintoleranzen bei Hashimoto: So findest du zurück zu mehr Verträglichkeit und Wohlbefinden
Bauchfett als Giftspeicher? Wie Umweltgifte und eine geschwächte Entgiftung die Schilddrüse belasten können
Blutspenden mit Hashimoto: Warum dein Beitrag wertvoll ist und was du für eine sichere Spende wissen musst
Traditionelle Chinesische Medizin: Wie sie bei Hashimoto Stress, Darmbeschwerden & Erschöpfung lindert
Stress bei Hashimoto: Warum er dein System sabotiert und wie du Körper und Geist gezielt beruhigst
Eisenmangel bei Hashimoto: Warum dein L-Thyroxin ohne Eisen oft nicht wirkt und du müde bleibst
Nährstoffmangel bei Hashimoto: Wie du die 13 wichtigsten Mängel erkennst und gezielt behebst
Myo-Inositol & Selen bei Hashimoto: Ein neuer Ansatz, der deine Schilddrüse nachweislich unterstützt und reguliert
Die Rolle der Leber bei Hashimoto: Warum sie der wichtigste Schlüssel zur Hormon-Umwandlung und Entgiftung ist
Erhöhte Cholesterinwerte bei Hashimoto: Welche Rolle spielt die Schilddrüse?
Heißhungerattacken bei Hashimoto: Wie du die wahren Ursachen findest und die Kontrolle zurückgewinnst
Trockene Augen & Co. bei Hashimoto: Warum die Schilddrüse Augensymptome verursacht und was du dagegen tun kannst
Borreliose bei Hashimoto: Warum die Infektion oft unerkannt bleibt und was bei der Behandlung entscheidend ist
Sexuelle Unlust bei Hashimoto: Wie eine gestörte Schilddrüse die Libido ausbremst und wie du sie wieder weckst
Hauterkrankungen bei Hashimoto: Der Zusammenhang von hormoneller Akne und deiner Schilddrüse
Morgendliche Nüchterneinnahme, Abendeinnahme oder Splitten: So holst du die maximale Wirkung aus deinen Hormonen
Rückenschmerzen bei Hashimoto: Wie du den wahren Grund erkennst und endlich schmerzfrei wirst
Abnehmen mit Hashimoto: Warum Kalorienzählen bei dieser Autoimmunerkrankung scheitert und worauf es wirklich ankommt
Antikörper senken bei Hashimoto: Wie du dein Immunsystem beruhigst und die Entzündung in der Schilddrüse gezielt linderst
Antibiotika bei Hashimoto: Was du über die Risiken für Darm, Schilddrüse und deine Hormonwirkung wissen musst
Zahnfleischentzündung & Karies bei Hashimoto: Wie du mit der richtigen Mundhygiene deine Schilddrüse entlastest
Angst & Panikattacken bei Hashimoto: Wie die Schilddrüse dein Nervensystem kapert und wie du die Kontrolle zurückgewinnst
Histaminintoleranz bei Hashimoto: Wie Histamin die Autoimmunreaktion antreibt und was du dagegen tun kannst
Blutwerte bei Hashimoto: Welche Werte du wirklich brauchst und was sie über deine Schilddrüse verraten
Häufige Allergien bei Hashimoto: Warum die Verbindung kein Zufall ist und was du dagegen tun kannst
Schilddrüsenhormone bei Hashimoto: Warum L-Thyroxin nicht die einzige Option ist und welche Alternativen es gibt
Die stille Macht der Darmflora bei Hashimoto: Wenn der Darm zum Feind wird und was du dagegen tun kannst
Die Pille bei Hashimoto: Das Risiko hormoneller Verhütung und was es für deine Hormon-Balance bedeutet
Schwermetalle bei Hashimoto: Wie Quecksilber, Blei, Kupfer & Co. deine Schilddrüse und den Stoffwechsel blockieren
Gemeinsam statt einsam: Warum der Austausch die entscheidende Ergänzung zu deiner Therapie ist
Weihnachten mit Hashimoto: Mit den richtigen Strategien entspannt und gesund durch die Feiertage
Hashimoto & die Wechseljahre: Warum die Symptome eskalieren und wie du die Kontrolle zurückgewinnst
Die 4 Phasen der Nebennierenschwäche: Vom Dauerstress zum Burnout – erkenne, wo du stehst und handle rechtzeitig
Haarausfall bei Hashimoto: Warum die Schilddrüsenfunktion entscheidend ist und welche Ursachen es noch gibt
Magensäuremangel bei Hashimoto: Der direkte Zusammenhang mit Nährstoffmangel und chronischer Müdigkeit
Das Hashimoto-Wörterbuch: Werde zum Experten deiner eigenen Krankheit und verstehe jeden Fachbegriff
Hashimoto-Schübe: Die Symptome und Auslöser erkennen, um den Verlauf gezielt zu beeinflussen
Schilddrüsenunterfunktion oder Hashimoto-Thyreoiditis? Die richtige Untersuchung macht den Unterschied
Übergewicht bei Hashimoto: Wenn die Hormone den Stoffwechsel blockieren und was du dagegen tun kannst
Hashimoto oder doch die Psyche? Wie du deine Symptome richtig deutest, um eine Fehldiagnose zu vermeiden
Cannabidiol (CBD) bei Hashimoto-Thyreoiditis: Die vielversprechende Studienlage und wichtige Hinweise für Betroffene
Die große Hashimoto-Arztliste: Finde einen Spezialisten in deiner Nähe, der dich wirklich versteht
Wie Schilddrüsenhormone im Körper wirken und dein Wohlbefinden beeinflussen können
Progesteronmangel bei Hashimoto: Wenn Östrogen dominiert und deine Schilddrüsen-Therapie sabotiert
Herausforderungen im Alltag: Hashimoto-Thyreoiditis und die täglichen Sorgen und Schwierigkeiten
Mikroimmuntherapie bei Hashimoto: Wie du dein Immunsystem sanft regulierst und die Schilddrüse entlastest
Hashimoto bei Kindern & Jugendlichen: Was Eltern jetzt wissen müssen, um ihr Kind optimal zu unterstützen
12 wirksame Tipps bei Hashimoto: So gewinnst du die Kontrolle über deinen Körper zurück
Der TSH-Wert bei Hashimoto: Warum er oft nur die halbe Wahrheit ist und welche Werte wirklich zählen
Schilddrüsenwerte in Prozent umrechnen: Finde mit unserem fT3 & fT4-Rechner heraus, wie gut du wirklich eingestellt bist
Kinderwunsch & Schwangerschaft mit Hashimoto: So schaffst du die besten Voraussetzungen für dich und dein Kind
Hashimoto-FAQ: Antworten auf deine 30 drängendsten Fragen, die du nach der Diagnose sicher hast
Nahrungsergänzung & Mikronährstoffe bei Hashimoto: Warum deine Schilddrüse mehr als nur Hormone braucht
Hashimoto weiterdenken: Warum viele Fragen nicht bei der Schilddrüse enden
Die medizinischen Grundlagen von Hashimoto sind vergleichsweise klar: Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, aus der sich im Verlauf eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln kann. Für Betroffene beginnt die eigentliche Auseinandersetzung mit der Erkrankung aber häufig erst nach der Diagnose.
Wie gut funktioniert die Hormoneinstellung? Warum bestehen bestimmte Beschwerden weiter? Gibt es noch andere gesundheitliche Ursachen? Welche Rolle spielen weitere Autoimmunerkrankungen oder Nährstoffmängel? Und wie sind all die Zusammenhänge einzuordnen, über die man bei Hashimoto früher oder später liest?
Auf viele dieser Fragen gibt es keine Antwort, die für jeden Menschen gleichermaßen passt. Genau deshalb ist es sinnvoll, genauer hinzusehen, ohne aus jedem interessanten Zusammenhang gleich eine allgemeingültige Erklärung zu machen.
Wenn Beschwerden trotz Behandlung bleiben
Für viele Betroffene beginnt eine der schwierigsten Phasen gerade dann, wenn die Laborwerte unter der Behandlung wieder unauffällig aussehen, das eigene Befinden aber nicht vollständig mitzieht.
Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, verminderte Belastbarkeit, Muskelbeschwerden oder eine eingeschränkte Lebensqualität können auch bei Menschen bestehen bleiben, deren Schilddrüsenwerte unter Therapie wieder im Referenzbereich liegen.
Das ist kein rein subjektives Internetphänomen. Ein systematischer Review aus dem Jahr 2021 wertete 30 Studien aus. In der Mehrzahl fand sich auch bei biochemisch euthyreoten Menschen ein Zusammenhang zwischen Schilddrüsenautoimmunität und anhaltenden Beschwerden beziehungsweise einer geringeren Lebensqualität.[1]
Damit ist noch nicht geklärt, warum diese Beschwerden bestehen bleiben. Diskutiert werden unterschiedliche Erklärungen: die individuelle Schilddrüsenhormonversorgung, mögliche Folgen der Autoimmunität selbst, Unterschiede zwischen Serumwerten und Gewebeversorgung sowie Begleiterkrankungen und andere gesundheitliche Faktoren.
Gerade diese Unsicherheit finde ich wichtig. Ein normaler TSH sollte Beschwerden nicht automatisch entwerten. Gleichzeitig wäre es ebenso wenig sinnvoll, jede fortbestehende Beschwerde zwangsläufig einem einzigen Mechanismus von Hashimoto zuzuschreiben.
Zuerst Hashimoto und die Behandlung ernst nehmen – und wenn das Bild damit nicht vollständig erklärt ist, den Horizont erweitern.
Forschung verändert sich – und manche Fragen bleiben lange offen
Bei Hashimoto gibt es Bereiche, die medizinisch seit Jahrzehnten gut verstanden sind, und andere, bei denen wir noch mitten in der Forschung stecken.
Besonders deutlich wird das bei Themen wie persistierenden Beschwerden, Mikrobiom und Darmbarriere, Ernährung, Nährstoffen, Stress oder individuellen Unterschieden in der Hormonersatztherapie. Dass ein Zusammenhang untersucht wird, bedeutet noch nicht, dass Ursache und Wirkung bereits bewiesen sind. Umgekehrt bedeutet fehlende eindeutige Evidenz aber auch nicht automatisch, dass eine Beobachtung wertlos oder das Thema wissenschaftlich erledigt wäre.
Ein Beispiel ist das Darmmikrobiom. Systematische Reviews zeigen Unterschiede in der Zusammensetzung der Darmmikrobiota bei Menschen mit autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen und diskutieren mögliche Wechselwirkungen zwischen Darm, Immunsystem und Schilddrüse.[2] Daraus können wir bislang keine einfache Aussage wie „Hashimoto entsteht im Darm“ ableiten. Der Forschungsbereich ist deshalb aber keineswegs bedeutungslos.
Ähnlich verhält es sich mit Stress. Aus meinem eigenen Verlauf kenne ich sehr gut, wie stark längere Belastungsphasen mein Befinden verändern können. Eine prospektive Studie mit 790 Frauen fand dagegen keinen Zusammenhang zwischen berichteter Stressbelastung und der späteren Entwicklung einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung.[3]
Beides widerspricht sich nicht. Stress kann das Befinden eines Menschen mit Hashimoto erheblich beeinflussen, ohne damit automatisch als bewiesene Ursache der Erkrankung zu gelten.
Genau diese Trennung möchte ich im Ratgeber möglichst konsequent beibehalten.
Ernährung und Nährstoffe: wichtiges Thema, aber kein Einheitsrezept
Kaum ein Bereich wird bei Hashimoto so leidenschaftlich diskutiert wie die Ernährung. Glutenfreie Ernährung, Selen, Vitamin D, Eisen, Jod, verschiedene Eliminationsdiäten und zahlreiche Ernährungskonzepte werden teilweise mit sehr weitreichenden Versprechen verbunden.
Die Forschung ist wesentlich weniger eindeutig.
Eine systematische Übersichtsarbeit zu Ernährungsinterventionen bei Hashimoto konnte aus 1.350 gefundenen Publikationen lediglich neun Studien einschließen. Untersucht wurden sehr unterschiedliche Ansätze, darunter gluten- oder laktosefreie Ernährung, Energierestriktion, Jodrestriktion und einzelne weitere Interventionen. Die Ergebnisse waren heterogen, weshalb die Autoren weiteren Forschungsbedarf sehen und keine bestimmte Ernährungsstrategie als allgemein überlegen ableiten konnten.[4]
Das bedeutet nicht, dass Ernährung unwichtig wäre. Eine ausreichende Versorgung mit relevanten Nährstoffen, individuelle Unverträglichkeiten, Begleiterkrankungen wie Zöliakie und die allgemeine Qualität der Ernährung können für Gesundheit und persönliches Befinden sehr relevant sein. Nur ist das etwas anderes als die Behauptung, es gebe eine universelle Hashimoto-Diät, die den Autoimmunprozess bei jedem Betroffenen kontrolliert.
Auch hier möchte ich im Ratgeber deshalb genauer hinschauen: Was zeigt die Forschung tatsächlich? Für wen könnte ein Ansatz interessant sein? Wo fehlen Daten? Und was berichten Betroffene aus ihrer eigenen Erfahrung?
Auch andere Erkrankungen gehören zum Gesamtbild
Hashimoto kann selbst zahlreiche Beschwerden verursachen. Gleichzeitig tritt die Erkrankung bei manchen Menschen gemeinsam mit weiteren Autoimmunerkrankungen auf.
In einer britischen Multicenter-Studie mit 495 Hashimoto-Patienten hatten 14,3 Prozent mindestens eine weitere Autoimmunerkrankung. Unter anderem wurden rheumatoide Arthritis, perniziöse Anämie, Morbus Addison, Zöliakie und Vitiligo häufiger beobachtet.[5]
Diese Zahlen sollen niemanden dazu bringen, hinter jedem neuen Symptom sofort die nächste Diagnose zu vermuten. Sie sind aber ein guter Grund, Beschwerden nicht vorschnell mit einem einzigen Satz abzuhaken.
Wenn sich etwas trotz guter Schilddrüsenbehandlung nicht erklären lässt, können deshalb zwei Fragen gleichzeitig sinnvoll sein:
Ist Hashimoto beziehungsweise die Hormonsituation wirklich ausreichend berücksichtigt?
Und:
Gibt es zusätzlich etwas, das wir bislang übersehen haben?
Gerade bei einer Autoimmunerkrankung gehört für mich beides zu einer vernünftigen Betrachtung.
Persönliche Erfahrungen sind wertvoll – wenn man sie auch Erfahrungen nennt
Nach vielen Jahren mit Hashimoto gibt es Dinge, bei denen ich selbst einen deutlichen Zusammenhang mit meinem Befinden wahrnehme. Viel Zucker tut mir beispielsweise nicht gut. Darmprobleme machen sich bei mir bemerkbar, Stress kann einen erheblichen Unterschied machen und auch beim Sport habe ich lernen müssen, dass mehr Belastung nicht automatisch mehr Nutzen bedeutet.
Das sind Erfahrungen, die für mich real sind. Sie beweisen trotzdem nicht, dass dieselben Zusammenhänge bei jedem Menschen mit Hashimoto auftreten oder dass sie die Autoimmunerkrankung verursachen.
Gerade diese Unterscheidung finde ich wichtig, weil persönliche Erfahrungen sonst nur zwei mögliche Rollen bekommen: Entweder werden sie zur vermeintlichen medizinischen Wahrheit erhoben oder als wertlose Anekdote abgetan.
Beides wird der Sache nicht gerecht.
Eine Erfahrung kann eine interessante Beobachtung sein, Fragen aufwerfen oder Anlass geben, genauer hinzusehen. Wissenschaftliche Forschung kann anschließend zeigen, ob ein Zusammenhang auch bei anderen Menschen auftritt, wie groß ein möglicher Effekt ist und ob tatsächlich eine Ursache-Wirkungs-Beziehung besteht.
Auf Hashimoto-Info.de sollen beide Ebenen ihren Platz haben, ohne miteinander verwechselt zu werden.
Nicht die eine Lösung suchen, sondern Zusammenhänge verstehen
Nach vielen Jahren mit Hashimoto halte ich wenig von der Vorstellung, dass es irgendwo den einen Hebel gibt, den man nur finden muss.
Das bedeutet nicht, dass einzelne Veränderungen keinen großen Unterschied machen können. Im Gegenteil: Eine passende Hormoneinstellung, T3 bei ausgewählten Patienten, die Behandlung eines Nährstoffmangels, eine veränderte Ernährung, weniger Stress oder eine erkannte Begleiterkrankung können für einzelne Menschen enorm wichtig sein.
Nur ist der entscheidende Hebel nicht bei jedem derselbe.
Hashimoto besteht deshalb für mich aus vielen Ebenen, die sich gegenseitig beeinflussen können. Schilddrüsenfunktion und Hormonersatz bilden einen zentralen Teil davon. Daneben können Autoimmunität, Ernährung, Nährstoffstatus, Darmgesundheit, Schlaf, Bewegung, Stress, andere Erkrankungen und individuelle Lebensumstände eine Rolle spielen.
Nicht jedes Puzzleteil ist wissenschaftlich gleich gut verstanden. Aber gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen, statt entweder alles auf Hashimoto zu schieben oder alles außerhalb der Standardtherapie für unwichtig zu erklären.
Was du im Hashimoto-Ratgeber findest
Der Ratgeber ist bewusst breiter angelegt als der Grundlagenbereich von Hashimoto-Info.de. Hier finden Themen Platz, bei denen sich medizinisches Wissen, aktuelle Forschung, offene Fragen und Alltagserfahrungen überschneiden.
Dazu gehören Beschwerden, die nicht immer eindeutig einzuordnen sind, neue Forschungsansätze, mögliche Zusammenhänge mit Darm, Ernährung oder Nährstoffen, Fragen zur Schilddrüsenhormontherapie, Begleiterkrankungen sowie Themen wie Schlaf, Stress, Bewegung und Belastbarkeit.
Dabei werden ältere Artikel nach und nach überprüft und aktualisiert. Gerade bei Themen, die seit vielen Jahren diskutiert werden, interessiert mich auch, wie sich die wissenschaftliche Einordnung verändert hat. Was vor zehn Jahren noch weitgehend Hypothese war, kann heute besser untersucht sein – oder sich als weniger überzeugend erwiesen haben als damals angenommen.
Ziel ist deshalb nicht, für jede Frage eine möglichst einfache Antwort zu liefern. Der Ratgeber soll dabei helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen, widersprüchliche Informationen einzuordnen und auch dort genauer hinzusehen, wo die Forschung noch keine abschließende Antwort kennt.
Häufig gestellte Fragen
Welche Themen finde ich in den Hashimoto-Ratgeber?
Der Ratgeber beschäftigt sich mit Fragen, die über die Grundlagen hinausgehen. Dazu gehören anhaltende Beschwerden, Behandlung und Schilddrüsenhormone, Ernährung, Nährstoffe, Darm und Mikrobiom, Stress, Bewegung, Begleiterkrankungen sowie aktuelle Forschung zu Hashimoto und Autoimmunität.
Sind die Empfehlungen im Ratgeber für jeden Menschen mit Hashimoto geeignet?
Nein. Persönliche Erfahrungen können Hinweise geben und manchmal helfen, eigene Zusammenhänge zu erkennen. Sie ersetzen aber keine allgemeingültige Evidenz.
Ich kennzeichne deshalb möglichst klar, was aus Studien stammt und was ich selbst oder andere Betroffene im Alltag beobachtet haben.
Warum werden auch kontroverse Themen behandelt?
Weil offene Fragen zu Hashimoto nicht dadurch verschwinden, dass man sie ignoriert. Entscheidend ist, sauber zwischen gut belegtem Wissen, interessanten Forschungsergebnissen, Hypothesen und persönlichen Erfahrungen zu unterscheiden.
Ein Thema muss nicht bewiesen sein, damit es wissenschaftlich interessant ist. Gleichzeitig reicht eine einzelne Studie oder persönliche Erfahrung nicht aus, um daraus eine allgemeine medizinische Wahrheit abzuleiten.
Warum können Beschwerden bestehen bleiben, obwohl die Schilddrüsenwerte normal sind?
Dieses Phänomen wird auch in wissenschaftlichen Untersuchungen beschrieben. Ein systematischer Review fand in der Mehrzahl der ausgewerteten Studien bei biochemisch euthyreoten Hashimoto-Patienten einen Zusammenhang zwischen Schilddrüsenautoimmunität und persistierenden Beschwerden beziehungsweise geringerer Lebensqualität.[1]
Warum das bei einem Teil der Betroffenen geschieht, ist noch nicht abschließend geklärt. Deshalb sollten sowohl die Schilddrüsenbehandlung als auch mögliche zusätzliche Einflussfaktoren betrachtet werden.
Wie aktuell sind die Beiträge?
Viele ältere Beiträge auf Hashimoto-Info.de werden derzeit Schritt für Schritt überarbeitet. Dabei ergänze ich aktuelle Forschung, korrigiere zu absolute Aussagen und erhalte gleichzeitig persönliche Erfahrungen und Inhalte, die sich über die Jahre als wertvoll erwiesen haben.
Gerade bei Themen, bei denen sich die Forschung weiterentwickelt, sollen neue Erkenntnisse künftig regelmäßig in bestehende Artikel einfließen.
Quellen & weiterführende Literatur
[1] Groenewegen KL, Mooij CF, van Trotsenburg ASP: Persisting symptoms in patients with Hashimoto’s disease despite normal thyroid hormone levels: Does thyroid autoimmunity play a role? A systematic review. Journal of Translational Autoimmunity. 2021;4:100101. DOI: 10.1016/j.jtauto.2021.100101.
[2] Stramazzo I, Capriello S, Filardo S, Centanni M, Virili C: Microbiota and Thyroid Disease: An Updated Systematic Review. Advances in Experimental Medicine and Biology. 2023;1370:125–144. DOI: 10.1007/5584_2023_770.
[3] Effraimidis G, Tijssen JGP, Brosschot JF, Wiersinga WM: Involvement of stress in the pathogenesis of autoimmune thyroid disease: a prospective study. Psychoneuroendocrinology. 2012;37(8):1191–1198. DOI: 10.1016/j.psyneuen.2011.12.009.
[4] Osowiecka K, Myszkowska-Ryciak J: The Influence of Nutritional Intervention in the Treatment of Hashimoto’s Thyroiditis—A Systematic Review. Nutrients. 2023;15(4):1041. DOI: 10.3390/nu15041041.
[5] Boelaert K et al.: Prevalence and relative risk of other autoimmune diseases in subjects with autoimmune thyroid disease. The American Journal of Medicine. 2010;123(2):183.e1–183.e9. DOI: 10.1016/j.amjmed.2009.06.030.

