Hashimoto-Thyreoiditis und die alltäglichen Sorgen und Schwierigkeiten

Wer die Diagnose Hashimoto Thyreoiditis gestellt bekommt, hat es immer wieder mit vielen Schwierigkeiten im Alltag zu tun. Ganz abgesehen davon, dass diese Autoimmunerkrankung mit derart vielen Symptomen und krankhaften Begleiterscheinungen einhergeht, gibt es auch in puncto Mobbing, Arbeitsunfähigkeit, Schwerbehindertenausweis oder ähnlichem viele Stolpersteine, die man überwinden muss. Es wird also nicht nur die Erkrankung selbst zur Belastungsprobe, sondern auch das ganze Drum und Dran.

Eine gesicherte Diagnosestellung zu bekommen ist immer noch schwierig

Zunächst einmal stoßen Betroffene immer wieder an Grenzen, wenn es um die richtige Diagnose geht. Denn leider sind auch heute noch immer nicht alle Ärzte in der Lage, die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis sofort und zweifelsfrei festzustellen.

Das ist aber auch oftmals gar nicht möglich, da es nun einmal eine Eigenart der Hashimoto-Thyreoiditis ist, sich nicht immer gleich und mit eindeutigen Symptomen zu offenbaren. Vermutlich kannst du selbst ein Lied davon singen.

Die Erkrankung selbst macht Betroffenen das Leben schon schwer genug

Ist die Krankheit dann einmal festgestellt worden, tauchen auch schon die nächsten Schwierigkeiten auf, denen man sich trotz aller Müdigkeit, trotz allen Unwohlseins und trotz aller krankhaften Begleiterscheinungen stellen muss. Denn es kommt in nahezu allen Fällen unter anderem zu:

  • häufiger Arbeitsunfähigkeit
  • Unverständnis und Mobbing von Mitmenschen, insbesondere von Chefs und Kollegen
  • geminderte Leistungsfähigkeit
  • zusätzliche Gesundheitsprobleme
  • soziale Isolation

Häufig tritt mit der Erkrankung ungewollt eine scheinbar nie enden wollende Kettenreaktion in Kraft, der man sich als Betroffener eigentlich nicht entziehen kann.

Bist du an Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt, sieht man es dir häufig erst einmal nicht an, wie schlecht es dir eigentlich geht. Doch du wirst spätestens bei den Schüben, in welchen diese Krankheit verläuft, immer wieder Tage und Wochen haben, wo es dir schlecht geht.

Angefangen von Müdigkeit über massive Verdauungsprobleme und Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes bis hin zu Kreislaufproblemen und allgemeiner Kraftlosigkeit, um nur einige Beschwerden aufzuzählen.

Hashimoto sorgt häufig für Probleme am Arbeitsplatz und mit dem Arbeitgeber

Dein Arzt wird dich mit Sicherheit immer wieder krankschreiben, damit du dich für einige Tage erholen kannst. Doch du weißt selbst, dass es im Kollegenkreis und bei den Vorgesetzten nicht wirklich gut ankommt und manchmal sogar bis hin zur Kündigung des Arbeitsplatzes führen kann.

Heikel ist vor allem die Phase, in welcher die Schilddrüsenhormone eingestellt werden. In dieser Zeit bist du Arbeitnehmer, der mit dieser Autoimmunkrankheit leben muss, häufig für viele Wochen krankgeschrieben beziehungsweise arbeitsunfähig. Diese Hormoneinstellung kann auch durchaus mal bis zu einem Jahr andauern, was den dich als Betroffenen für den Arbeitgeber schnell untragbar machen kann.

Dieser Hintergedanke wiederum setzt dich psychisch unter Druck, wodurch der Leidensdruck so groß werden kann, dass auch deine Erkrankung zusätzlich forciert wird. Zudem bringen die vielen Tage der Arbeitsunfähigkeit oder des allgemeinen Unwohlseins immer auch eine massive Sozial-Isolation mit sich.

Wenn du hier keine verständnisvollen Freunde und Bekannte hast, wirst du dir schnell wie ein einsamer und verletzter Wolf vorkommen.

Kranken- und Rentenkassen haben wenig Verständnis für die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis

Die Kranken- und Rentenkassen tun ein Übriges, um dich noch mehr unter Druck zu setzen. Wenn man nämlich einmal ganz ehrlich ist, wird man als „Hashi“ irgendwie komplett allein gelassen.

Du bist mit der Autoimmunkrankheit nämlich längst nicht so eingestuft, wie andere chronischen Erkrankungen. Das dein Leben aber massiv beeinträchtigt ist und du unter Umständen immer weniger am gesellschaftlichen Leben in all seinen Facetten teilnehmen kannst, ist leider noch nicht in das Bewusstsein der Öffentlichkeit vorgedrungen.

Anders ausgedrückt: Du wirst unter Umständen überall auf wenig Akzeptanz und Verständnis stoßen.

Die Krankenkassen verweigern nach wie vor die Kostenübernahme für die vollständige Labordiagnostik und übernehmen meist nur den wenig aussagekräftigen TSH-Test. Auch die Regelmäßigkeit der Kontrolluntersuchungen  liegt nach wie vor meist viel zu weit auseinander.

Wenn man Glück hat, sprechen wir hier von einer Labortestung alle 6 Monate. Meist wir man aber mit einem Kontrollintervall von 12 Monaten abgespeist. Allein diese zwei Tatsachen haben für Hashimoto-Betroffene unnötige, gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge, wenn man sich zusätzliche Laborkosten aus eigener Tasche nicht leisten kann.

Bekomme ich bei Hashimoto-Thyreoiditis einen Schwerbehindertenausweis?

Zunächst einmal musst du hierzu wissen, dass die Hashimoto-Thyreoiditis nicht als eigenständige Krankheit in der GdB-Tabelle gelistet beziehungsweise eingestuft ist.

Somit ist kein Grad der Behinderung auszumachen und es bleibt wenig Spielraum bei der Argumentation um den Erhalt eines Schwerbehindertenausweises.

Im Gegensatz zu Diabetes mellitus Typ 1 wirst du also unter Umständen keine entsprechende Einstufung beim Versorgungsamt bekommen, obwohl Diabetes mellitus Typ 1 auch eine Autoimmunerkrankung ist, sich dort aber das Immunsystem gegen die Bauchspeicheldrüse richtet anstatt gegen die Schilddrüse. Also ist auch in hier keine Logik im Bezug auf die Beurteilung bzw. Anerkennung auszumachen.


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Hinsichtlich der Begleiterscheinungen oder auch der Folgeerkrankungen ist es aber eventuell möglich, dass du einen Schwerbehindertenausweis bekommen kannst. Doch nur die Einzelbeschwerden werden mit viel Glück und in Ausnahmefällen auf 5 Prozent bis allerhöchstens 20 Prozent GdB bewertet.

Darüber hinaus sind selbst die begleitenden Erkrankungen bei Hashimoto-Thyreoiditis von deinem Arzt nicht mit eindeutigen Ursachen zu belegen, weswegen Kranken- und Rentenkassen diese mitunter völlig außer Acht lassen.

Bedenkt man, dass diese Autoimmunkrankheit eigentlich nicht heilbar ist, sondern nur ihre Symptome gelindert werden können und zudem Spätfolgen nicht auszuschließen sind, klingt es für die Betroffenen fast wie ein Hohn.

Besteht ein Anspruch auf Erwerbsunfähigkeitsrente oder Frührente?

Diese Frage kann man eigentlich mit einem klaren Nein beantworten. Klar, wenn Hashimoto-Thyreoiditis nicht als eigenständige Krankheit gelistet ist, gibt es auch keine gesetzliche Grundlage für eine entsprechende Erwerbsunfähigkeitsrente oder auch die Frührente.

Laut dem Schwerbehindertenrecht Teil 2 SGB IX heißt es, dass Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Regel gut behandelbar seien und aus diesem Grunde keine Komplikationen zu erwarten sind. Dies ist natürlich absoluter Quatsch wie alle Betroffenen wissen, aber auf Grund dessen, bestehen keine Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente durch eine Hashimoto-Thyreoiditis.

Ganz schlimm trifft es in diesem Zusammenhang vor allem jene Betroffenen, die möglicherweise erst einen ewig langen Leidensweg hinter sich bringen mussten, bevor die Autoimmunkrankheit überhaupt diagnostiziert wurde. Sie werden meist ignoriert und haben meist keinerlei Chancen auf etwaige finanzielle Unterstützung und eine Arbeitsunfähigkeitsrente.

Fazit

Wer an Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt ist, hat nicht nur auf der gesundheitlichen Ebene massive Probleme, sondern leidet auch in allen alltäglichen Lebensbereichen unter starken Einschränkungen. Das Umfeld hat meist nur wenig Verständnis für diese Autoimmunerkrankung, der man ihre Schwere meist nicht auf Anhieb direkt ansieht.

Dies sorgt für Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und in Freundschaften. Ein Anspruch auf einer Erwerbsunfähigkeitsrente besteht meist nicht und auch ein Schwerbehindertenausweis ist nur mit größten Mühen durchzuboxen.

Die einzige Option auf eine Besserung der Situation besteht im Grunde nur darin sich so gut als möglich über die Erkrankung zu informieren, die Zügel in die eigenen Hände zu nehmen und mit allen Mitteln an einer Gesundung zu arbeiten. Denn dies ist möglich, kostet ab meist viel Disziplin und Ausdauervermögen.


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Quellenangaben
Bildquellen:
  • Titelbild: © fizkes | Fotolia.de
Textquellen:
Über den Autor:

Michael Ayed

ist seit 2008 ein betroffener Hashimoto-Thyreoiditis-Patient, der einen schweren Leidensweg hinter sich gebracht hat, um 2019 endlich eine deutliche Besserung seines gesundheitlichen Zustandes erfahren zu können. Er betreibt seit mehr als 12 Jahren intensive Recherchen zum Thema Hashimoto-Thyreoiditis und schreibt hier die gesammelten Informationen und Erfahrungen für Laien verständlich nieder.
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