Progesteronmangel: Eine Ursache für die Hashimoto-Thyreoiditis?

Alles in unserem Körper ist von Natur aus auf Balance ausgelegt.

Dieses enorm komplexe System, was wir menschlichen Organismus nennen, braucht also zu jeder Zeit und unter allen Umständen ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Immunzellen, den Nährstoffen oder auch den Hormonen, um die wichtigsten Beispiel zu nennen.

Ist das nicht gegeben, spricht man von einer Dysbalance, die nicht nur auf die verschiedenste Art und Weise unangenehm und störend ist, sondern ebenso bestimmte Krankheitsbilder forcieren kann. Hashimoto-Patienten können sicher ein Lied davon singen. Doch welchen Einfluss hat ein Progesteronmangel auf die Hashimoto-Thyreoiditis?

Was genau ist Progesteron?

Progesteron ist faktisch der Gegenspieler zum Östrogen, wobei die beiden in ihrer Wechselwirkung sehr fein aufeinander abgestimmt sind. Es handelt sich also um ein körpereigenes Hormon, was vor allem in der zweiten Zyklushälfte der Frauen besonders aktiv ist und für eine erhöhte Basaltemperatur sorgt. Es wird in den Eierstöcken (Gelbkörper) gebildet und hat die Aufgabe, die Gebärmutterschleimhaut auf das Einnisten einer Eizelle vorzubereiten.

Darüber hinaus ist dieses Hormon maßgeblich dafür verantwortlich, Kollagenzellen zu bilden und die Knochen zu stärken. Es wirkt sich aber auch auf das Immunsystem aus, wirkt gegen depressive Stimmungen, regt die Libido an und unterstützt die Wirkung von Schilddrüsenhormonen.

Wie äußern sich Progesteronmangel und Östrogendominanz?

Bildet sich in Ihrem Körper nicht mehr ausreichend Progesteron, kommt es natürlich zu einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt und Östrogen beginnt zu dominieren. Zudem wird die Wirkung der Schilddrüsenhormone herabgesetzt, da aufgrund der entstandenen Östrogendominanz die Schilddrüsenhormone T3 und T4 nicht mehr richtig von den Organen und Körperzellen verwertet werden können.

Dies wiederum führ zu einer Schilddrüsenunterfunktion trotz guter Hormonproduktion der Schilddrüse. In solch einem Fall sollte man sich dem Progesteronmangel bzw. der Östrogendominanz widmen und nicht primär die Schilddrüse behandeln.

Welche Symptome treten bei einem Progesteronmangel auf?

Sie können einen Progesteronmangel unter anderem an den folgenden Symptomen erkennen:

  • leichte Reizbarkeit
  • Brustspannen
  • Wassereinlagerungen
  • Gewichtszunahme
  • Muskelschmerzen
  • Stimmungsschwankungen
  • zunehmend depressive Wahrnehmung und Verhalten
  • stärkere und längere Menstruationsblutung
  • starke Periodenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • unerfüllter Kinderwunsch
  • Schwindelanfälle und unerklärliche Kreislaufprobleme
  • Verlust der Libido
  • Konzentrationsschwäche
  • Schlafstörungen
  • trockene Schleimhäute
  • Kribbeln auf der Haut
  • häufige Zystenbildung oder Myome
  • verstärkte Beschwerden in den Wechseljahren
  • Herzrhythmusstörungen
  • Eisenmangel
  • unbegründete Panik
  • Endometriose
  • PMS (Prämenstruelles Syndrom)

Welche Ursachen führen zu Progesteronmangel/Östrogendominanz?

Ein Progesteronmangel entsteht immer aufgrund einer Gelbkörperschwäche. Ein vollständiger Gelbkörper kann sich nicht entwickeln, wenn die Follikel nicht ausreichend herangereift sind und sich dadurch keine Eizelle ausbilden konnte.

Hierzu führen häufig folgende Umstände:

  • Wechseljahre
  • Östrogene in der Nahrung
  • Xenoöstrogene in Lacken, Farben, Abgasen und Pestiziden
  • Psychopharmaka
  • Antidiabetika
  • Falsche Ernährung
  • Chronischer Stress
  • Bewegungsmangel
  • Lichtmangel
  • Funktionsstörung der Eierstöcke
  • Insulinresistenz
  • Rauchen, Drogen- und Alkoholkonsum
  • Mineralstoffmangel

In welchem Zusammenhang stehen Hashimoto-Thyreoiditis und ein Progesteronmangel?

Generell können Hormone Autoimmunerkrankungen und Entzündungsprozesse im Körper fördern oder unterdrücken. Der Zusammenhang zwischen Hashimoto-Thyreoiditis und Progesteron wird vor allem bei Frauen schnell klar, die einen Mangel an diesem Hormon aufweisen.

Während beispielsweise in der Schwangerschaft die Konzentration dieses Hormons kontinuierlich zunimmt und sich damit positiv auf den Verlauf der Hashimoto-Thyreoiditis auswirkt, kommt es nach der Entbindung häufig zu einem sehr starken Absinken des Progesteronspiegels und zu akuten Entzündungsschüben in der Schilddrüse.


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Wer bis dahin noch nicht an Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt ist, gehört zumindest ganz klar zu einer Risikogruppe. Denn die damit verbundene Östrogendominanz ist bei 80 Prozent der Frauen eine Ursache für das Ausbrechen der Autoimmunkrankheit.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Mangel an Progesteron als Ursache für Hashimoto-Thyreoiditis angesehen werden kann. Denn das Sexualhormon nimmt massiv Einfluss auf Ihr Immunsystem, beeinflusst die Schilddrüse, hemmt im Normalfall Entzündungen und stoppt die übermäßigen Immunreaktionen, die bei der Autoimmunkrankheit auftreten.

Ist Ihr Progesteronspiegel also an einem Punkt in Ihrem Leben gestört beziehungsweise dauerhaft zu niedrig, fördert das die fehlgeleitete Abwehrreaktion in Ihrem Körper.

Wie diagnostiziert man einen Progesteronmangel?

Hat Ihr Arzt den begründeten Verdacht einen Progesteronmangel, wird er einen Progesterontest veranlassen. Bei diesem Test werden beide Hormone, Progesteron und Östrogen, im Speichel oder im Blutserum bestimmt.

Diese Testung muss zwischen dem 19. Und dem 21. Zyklustag erfolgen und kann durch die Aufzeichnung einer Basaltemperaturkurve unterstützt werden.

Welche Normwerte gelten für Progesteron?

Die Normwerte für Progesteron im Blutserum sind bei Frauen zyklusabhängig und unterliegen keiner Tagesrhythmik:

Follikelphase< 1,0 ng/ml
periovulatorisch< 3,0 ng/ml
Lutealphase> 10 ng/ml
postmenopausal< 0,3 ng/ml

Wie können Sie einen Progesteronmangel ausgleichen?

Um das natürliche Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron wieder herstellen zu können, bedarf es einer gezielten Therapie, bei der Vitamine und Mikronährstoffe zugeführt werden müssen.

Um Ihre Beschwerden auch im Hinblick auf Hashimoto-Thyreoiditis möglichst dauerhaft zu verbessern oder abklingen zu lassen, empfiehlt sich eine ganzheitliche Therapie und Behandlung.

Hierfür gibt es verschiedene Präparate. Angefangen von Progesteron-Salben und Cremes bis hin zu Kapseln.

Bei den Salben haben sich naturidentische Progesteronsalben aus der Yamswurzel bewährt, welche abends auf die Oberarminnenseite aufgetragen werden. Diese Salben und Cremes werden meist mit 3, 5 oder 10%igen Wirkstoffanteil angemischt.

Wird bei einer Hashimoto-Thyreoiditis auch der Progesteronmangel mit solch einer Salbe ausgeglichen, sinken die Schilddrüsenantikörper Anti-TPO bereits innerhalb weniger Monate.

Zudem sollte bei der Behandlung eines Progesteronmangels nicht nur mit schulmedizinischen Präparaten agiert werden, sondern auch an eine spezielle Ernährungsform gedacht werden. Diese sollte aus Nahrungsmittel bestehen die pflanzliche Hormone und viel Diosgenin enthalten, welches dem menschlichen Progesteron sehr nahe kommt.

Zu den progesteronhaltigen Nahrungsmitteln gehören unter anderem:

  • Weizen, Buchweizen, Mandeln, Reis, Sesam, Erdnüsse, Leinsamen
  • Knoblauch, Kopfsalat, Meerrettich, Scharfgarbe
  • Kaffee, Schwarztee, Kakao
  • Ananas, Datteln, Zitronen, Kokosnuss, Erdbeeren, Papaya
  • Bohnen, Erbsen, Mais, Spargel, Tomaten, Karotten, Gurken

Sehr hilfreich kann bei der Therapie des Progesteronmangels außerdem eine Lichttherapie sein. Aber auch die klassische Homöopathie sowie die Phytotherapie, Psychotherapie und das Erlernen von Stressbewältigungsmethoden sollten in ihrer Wirkung nicht unterschätzt werden.

Denn diese unterstützen die Behandlungen durch den Arzt und wirken sich sehr positiv auf Sie, Ihren Körper und Ihren Geist aus.

Fazit

Besonders Frauen sind in bestimmten Lebensphasen von einem Progesteronmangel betroffen. Nicht selten kann das der Auslöser für Hashimoto-Thyreoiditis sein oder die Hashimoto-Thyreoiditis negativ beeinflussen.

Dieser spezielle Hormonmangel sollte unbedingt ausgeglichen werden, denn er kann besonders dafür verantwortlich sein, dass sich Entzündungen bilden, Antikörper gegen die Schilddrüse ansteigen und die Symptome der Autoimmunerkrankung verstärken.


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Quellenangaben
Bildquellen:
  • Titelbild: © Zerbor | Fotolia.de
Textquellen:

Michael Ayed

ist seit 2008 von der Hashimoto-Thyreoiditis betroffen und hat seither einen schweren Leidensweg hinter sich gebracht, um 2019 endlich eine deutliche Besserung seines gesundheitlichen Zustandes erfahren zu können. Er betreibt seit mehr als 12 Jahren intensive Recherchen zum Thema Hashimoto-Thyreoiditis und schreibt hier die gesammelten Informationen und Erfahrungen für Laien verständlich nieder.
Michael Ayed
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