Cannabidiol (CBD) bei Hashimoto-Thyreoiditis: Studien und wichtige Hinweise

CBD ist momentan sehr beliebt und wird bei verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden eingesetzt. Cannabidiol hat viele verschiedene Wirkungen auf unseren Körper und auch bei Autoimmunprozessen soll es hilfreich sein. So interessieren sich auch Menschen, die an einer Hashimoto-Erkrankung leiden, für den natürlichen Hanfwirkstoff CBD.

CBD ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid, das momentan rezeptfrei etwa in Form von CBD-Ölen oder CBD-haltigen Nutzhanftees erhältlich ist.

Inwiefern könnte CBD die Krankheitsdynamik beim Morbus Hashimoto beeinflussen oder typische Beschwerden von Betroffenen lindern?

Der folgende Beitrag zeigt die bisherige Forschung zu diesem Thema auf und gibt darüber Auskunft, was bei der Anwendung von CBD zu beachten ist, zum Beispiel welche Wechselwirkungen, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen von CBD berücksichtigt werden müssen.

CBD bei Morbus Hashimoto: Seine Wirkung bei Autoimmunerkrankungen

CBD wird momentan intensiv beforscht, denn seine breite Wirkung scheint einen therapeutischen Einsatz bei vielen verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden zu erlauben. CBD beeinflusst Botenstoffe im zentralen Nervensystem, den Stoffwechsel der Haut, die Entstehung von Schmerzen, das Wachstum von Krebszellen, Entzündungsvorgänge, das Immunsystem und unser Seelenleben.

Es kann antiepileptisch, antipsychotisch, entzündungshemmend, schmerzstillend, antidepressiv und antitumoral wirken. Auch bei Autoimmunerkrankungen liefert es einen neuen therapeutischen Ansatz.

Wie viele Zellen im Körper, bilden auch Abwehrzellen sogenannte Cannabinoid-Rezeptoren. An diesen Rezeptoren entfalten körpereigene Endocannabinoide ihre Wirkung. Es handelt sich hierbei um Botenstoffe, die hinsichtlich Struktur und Wirkung den Hauptwirkstoffen von Cannabis (Hanf), den sogenannten Cannabinoiden, ähneln.

Aufgrund der strukturellen Verwandtschaft, interagieren auch Cannabinoide wie CBD mit den Cannabinoid-Rezeptoren. Dabei können sie unter anderem regulierend auf die Aktivität von Abwehrzellen einwirken und die Sekretion von entzündungsfördernden Substanzen wie den Zytokinen regulieren. Besonders gut erforscht ist die Wirkung von CBD auf die regulatorischen T-Zellen, die bei Autoimmunerkrankungen eine große Rolle spielen. (1)

Bei autoimmunen Prozessen finden wir oft ein Ungleichgewicht zwischen Th1- und Th2-Zellen. Eine Th1-Dominanz überwiegt zum Beispiel bei autoimmunen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS), chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), Psoriasis oder eben dem Morbus Hashimoto.

Eine Th2-Dominanz lässt sich unter anderem beim Lupus erythematodes, der Sklerodermie und bei ungefähr einem Fünftel der Hashimoto-Patientfälle nachweisen. Dass Cannabinoide wie CBD eine Th1-Dominanz günstig beeinflussen kann, lassen MS-Studien vermuten. (2) Auch bei Th2-Dominanz könnten die regulierenden Eigenschaften von CBD hilfreich sein.

Auch das hohe antioxidative Potential von CBD kann bei autoimmunen Prozessen eine Rolle spielen. Oxidativer Stress ist bekanntlich beim Fortbestehen autoimmuner Erkrankungen beteiligt. (3) Dies gilt auch für den Morbus Hashimoto.

CBD bei typischen Beschwerden des Morbus Hashimoto

Cannabidiol kann bei Hashimoto-Thyreoiditis hilfreich sein

Menschen, die an einer Hashimoto-Erkrankung leiden, klagen meist über viele verschiedene Beschwerden. Bei einzelnen könnte die Anwendung von CBD hilfreich sein. Dazu zählen Müdigkeit, Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit, Nervosität, Ängsteoder trockene Haut.

CBD kann Studien zufolge sowohl bei Müdigkeit, als auch bei Schlafstörungen helfen. Forschungsergebnisse und praktische Erfahrungen lassen vermuten, dass niedrige Dosen von CBD (zum Beispiel unter oder gleich 20 Milligramm pro Tag) anregend und belebend bei müden oder erschöpften Menschen wirken.

Größere Dosierungen wirken hingegen schlaffördernd und können müde machen. (4) Die Wirkung von CBD bei Erschöpfung und Müdigkeit scheint eng mit dem Stoffwechsel des Endocannabinoids Anandamid verknüpft.

Anandamid wird von unserem Körper selbst gebildet und wirkt über die Cannabinoid-Rezeptoren belebend, schmerzstillend und stimmungsaufhellend. Der amerikanische Cannabis-Forscher Ethan Russo vermutet, dass Müdigkeit ein Symptom des klinischen Endocannabinoid-Mangels sein kann, bei dem unter anderem Anandamid nicht ausreichend vorhanden ist.

CBD wird bei einem Mangel an Anandamid empfohlen. CBD hemmt das Enzym, das für den Abbau von Anandamid verantwortlich ist und kann dadurch für höhere Anandamid-Werte im Körper sorgen. (5)

CBD wirkt zudem sowohl antidepressiv, als auch angstlösend. Niedergeschlagenheit und Ängstlichkeit sind bei Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis nicht selten anzutreffen. Wenn CBD dann hilfreich ist, könnte dies wiederum auf seine Wirkung auf den Anandamid-Stoffwechsel zurückzuführen sein.

Dieser könnte auch bei den verschiedenen gastrointestinalen Beschwerden hilfreich sein, über die Menschen mit Morbus Hashimoto oft klagen. Das Endocannabinoid Anandamid wirkt schmerzstillend im Verdauungstrakt und beruhigend auf die Verdauung. CBD kann entsprechend die Verdauung aktiv unterstützen.

Bei Hauttrockenheit könnte die Wirkung von CBD auf die Produktion von Hautfetten hilfreich sein. Um diese zusätzlich zu unterstützen, wird die Einnahme von Gamma-Linolensäure-haltigen Ölen (Hanföl, Borretschöl oder Nachtkerzenöl) empfohlen.


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CBD richtig anwenden

Frei verkäufliches CBD wird in Form von CBD-Ölen oder CBD-haltigen Nutzhanftees eingenommen. Bei ersteren ist es von Vorteil, wenn diese nicht nur CBD, sondern auch andere Wirkstoffe der Hanfpflanze enthalten. Bei der Anwendung sollten die Verzehrempfehlungen des Herstellers berücksichtigt werden. Eine Einnahme von CBD-Ölen zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit, erhöht die Aufnahme vom CBD im Verdauungstrakt.

Nutzhanftees sollten stets mit etwas Fetthaltigem wie Sahne, Milch oder Kokosfett getrunken werden, da dies die Aufnahme von CBD erleichtert. Besonders empfehlenswert für die Herstellung von Nutzhanftee ist die Verwendung von Nutzhanfblüten.

Gegenanzeigen, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen von CBD beachten

Vor einer Einnahme von CBD sind mögliche Wechsel- und Nebenwirkungen, sowie Gegenanzeigen zu beachten. Als Gegenanzeigen gelten Glaukom (Grüner Star) und schwere Leberschäden. Während der Schwangerschaft, bei einer Allergie gegen Hanf oder dessen Inhaltsstoffe und bei Beeinträchtigungen des Leberstoffwechsels sollte CBD nur mit ärztlicher Zustimmung angewandt werden. Bei Schwangeren kann CBD nämlich die Schutzfunktion der Gebärmutter beeinträchtigen.

CBD beeinflusst verschiedene Enzyme CYP2C9, CYP2C19, CYP3A4 und CYP2D6, die auch für den Abbau diverser Medikamente verantwortlich sind. Das kann dazu führen, dass Medikamente wie Schmerzmittel, Gerinnungshemmer, Säureblocker oder Neuroleptika stärker wirken als beabsichtigt.

Auch andere Medikamente, die über die oben genannten Enzyme verstoffwechselt werden, können beeinflusst werden. Wer Medikamente einnimmt, sollte daher vor der Anwendung von CBD ärztlichen Rat einholen.

Gängige niedrige Dosierungen von CBD (zum Beispiel 20 Milligramm pro Tag) gehen in der Regel mit keinen Nebenwirkungen einher. Höhere Dosierungen können müde oder reizbar machen und den Appetit hemmen. Letzteres ist vor allem bei Untergewicht oder Essstörungen problematisch.



Verändert CBD den Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone?

Ob CBD den Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone verändern kann, ist momentan leider wenig bekannt. Die wenigen Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass CBD die Bildung von Schilddrüsenhormonen weder fördert, noch hemmt. Ein anderer Hanfwirkstoff, das psychoaktive THC kann hingegen einer Tierstudie zufolge die Bildung des Hormons Trijodthyronin (T3) hemmen. (6)

Mit dem Lebensstil die Wirkung von CBD fördern

CBD wirkt auf unser Endocannabinoid-System, ein Komplex aus vielen verschiedenen Botenstoffen und Rezeptoren. Je gesünder das Endocannabinoid-System, desto besser kann CBD wirken. Unser Endocannabinoid-System wird direkt durch unseren Lebensstil beeinflusst.

Wie wir essen, wie viel wir schlafen oder uns bewegen: all das wirkt sich auf unsere Endocannabinoide wie Anandamid aus. Auch bei Menschen mit Hashimoto sollte dies berücksichtigt werden.

Folgende Empfehlungen stärken laut den Forschungen von McPartland das Endocannabinoid-System:

  • Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga,
  • Omega-3-Öle, hochwertige pflanzliche Öle,
  • kalorienbewusste Ernährung,
  • regelmäßige sportliche Aktivität,
  • probiotische Lebensmittel (z.B. Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Kimchi, Kombucha, Apfelessig, milchsauer fermentiertes Gemüse)
  • Ballaststoffe und
  • die Reduktion potentiell schädlicher Chemikalien wie Pestizide und Weichmacher in der Ernährung. (7)

Wichtig zu beachten

Der Einsatz von CBD im Rahmen des Morbus Hashimoto sollte stets mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. Der Einsatz von CBD und die Informationen in diesem Beitrag können weder die ärztliche Diagnose oder Therapie bei Schilddrüsenerkrankungen ersetzen.

Quellenangaben
Bildquellen:
  • Titelbild: © Alexandr – stock.adobe.com
  • Hanf: © Cendeced – stock.adobe.com
Textquellen:
  • (1) Nichols JM, Kaplan BLF. Immune Responses Regulated by Cannabidiol. Cannabis Cannabinoid Res. 2020 Feb 27;5(1):12-31
  • (2) Leocani et al.: Sativex(®) and clinical-neurophysiological measures of spasticity in progressive multiple sclerosis. J Neurol. 2015 Nov;262(11):2520-7
  • (3) Kumagai S et al: Pathological roles of oxidative stress inautoimmune diseases, Rinsho Byori. 2003 Feb;51(2):126-32
  • (4) Nicholson et al. Effect of Delta-9-tetrahydrocannabinol and cannabidiol on nocturnal sleep and early-morning behavior in young adults. J Clin Psychopharmacol. 2004
  • (5) Russo EB. Clinical Endocannabinoid Deficiency Reconsidered: Current Research Supports the Theory in Migraine, Fibromyalgia, Irritable Bowel, and Other Treatment-Resistant Syndromes. Cannabis Cannabinoid Res. 2016 Jul 1;1(1):154-165
  • (6) Rosenkrantz H, Esber HJ. Cannabinoid-induced hormone changes in monkeys and rats. J Toxicol Environ Health. 1980 Mar;6(2):297-313
  • (7) McPartland et al.: Care and feeding of the endocannabinoid system: a systematic review of potential clinical interventions that upregulate the endocannabinoid system. PLoS One. 2014 Mar 12;9(3)

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