Hashimoto-Diagnose: Wichtige Infos für den Arztbesuch

Zuletzt aktualisiert am: von Ghazi-Michael Ayed

Um eine Hashimoto-Diagnose zu erhalten, gilt es in erster Linie einen Arzt (Endokrinologen) zu finden, der sich mit Schilddrüsenerkrankungen auskennt und die Schilddrüsendiagnostik nicht nur lediglich auf den TSH-Wert beschränkt.

Leider hat sich aus meiner Erfahrungen herausgestellt, dass die wenigsten Ärzte weitreichende Kenntnisse im Bezug auf die Schilddrüse, geschweige denn auf die Hashimoto-Thyreoiditis haben.

Die meisten Ärzte kontrollieren nur den TSH-Wert, da sie der Meinung sind, dass dieser ausreicht um eine Unter- oder Überfunktion auszuschließen oder zu bestätigen. Dies ist allerdings ein Trugschluss und in solch einem Fall, sollte man sich nach einem anderen Arzt umschauen.

Für eine Hashimoto-Diagnose ist es wichtig, dass Gesamtbild bzw. das Verhältnis zwischen TSH, fT3 und fT4, sowie die Höhe der Antikörper Anti-Thyreoperoxidase-Antikörper (TPO-AK), Thyreoglobulin-Antikörper (TAK) sowie Mikrosomale Antikörper (MAK) zu betrachten.

Zudem sollte die Schilddrüse vom Arzt abgetastet werden um eine eventuelle Vergrößerung im Vorhinein zu erkennen. Die Schilddrüse sollte auch mittels Ultraschall auf Größe, Form und Zustand des Gewebes untersucht werden.

Nur wenn diese Faktoren beleuchtet werden, ist eine Diagnose im Bezug auf die Hashimoto-Thyreoiditis überhaupt möglich. Falls dein Arzt sich nicht mit dieser Autoimmunkrankheit auskennt oder zu wenig Interesse und Zeit hat, solltest du den Arzt wechseln.

Viele Nährstoffmängel sind häufig ein Hinweis auf Hashimoto-Thyreoiditis

Die Hashimoto-Thyreoiditis bringt häufig einen verlangsamten Stoffwechsel und begleitendend Magen-Darm-Probleme mit sich, wodurch oftmals auch ein massiver Nährstoffmangel entstehen kann, der auch untersucht werden sollte.

Hierzu zählt das Vitamin B6, B12, Selen, Zink, Magnesium, Kalzium, Kalium, Eisen, Ferritin und sämtliche Sexualhormone. Ganz typisch sind Beispielsweise ein starker Mangel an Zink, Vitamin D3 und Selen. Treten diese Mängel in Kombination auf, sollte man bereits hellhörig werden und diese Nährstoffe per Nahrungsergänzung einnehmen. Weitere Informationen dazu, sind im Kapitel Therapie zu finden.

Wichtige Laborwerte bei der Blutabnahme und Diagnostik

  • fT3 (freies Trijodthyronin)
    Das T3 oder auch Trijodthyronin, wird von der Schilddrüse produziert und ist das wirksamste sowie stoffwechselaktivste Hormon der Schilddrüse. Triiodthyronin setzt sich aus gebundenem T3 und freiem fT3 zusammen.
  • fT4 (freies Levothyroxin)
    Auch das T4 wird von der Schilddrüse produziert und setzt sich aus einem gebundenem Teil (T4) und einem freiem, stoffwechselaktivem Anteil (fT4) zusammen.
  • TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon)
    Das TSH wird von der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) produziert und reguliert die Ausschüttung der vom Körper benötigten Mengen an T3 und T4.
  • TPO-AK (Anti-Thyreoperoxidase-Antikörper) und MAK (Mikrosomale Antikörper)
    TPO-AK und MAK sind Antikörper, welche die Schilddrüseninnenwand, die sogenannte Thyreoperoxidase, angreifen und zerstören.
  • TAK (Thyreoglobulin-Antikörper) oder TG-AK
    Thyreoglobulin ist ein Protein der Schilddrüse und ist an der Schilddrüsenhormonsynthese von Thyroxin und Triiodthyronin beteiligt. Erhöhte Antikörper gegen das Thyreoglobulin weisen auf eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse hin.
  • TRAK (TSH-Rezeptor-Autoantikörper)
    TSH Rezeptor Autoantikörper greifen die TSH-Rezeptoren an und rufen dort eine unkontrollierte Stimulation der Rezeptoren und somit auch der Schilddrüse hervor. TRAK sind für die klinischen Symptome des Morbus Basedow verantwortlich.

Diese Blutwerte sollten in jedem Fall im Blut bestimmt werden, um die Hashimoto Thyreoiditis zweifelsfrei diagnostizieren zu können. Eine alleinige Untersuchung des TSH-Wertes reicht definitiv nicht aus, um eine Diagnose im Bezug auf eine Hashimoto-Thyreoiditis oder Schilddrüsenunterfunktion stellen zu können !

Sonographie: Hashimoto-Thyreoiditis mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung diagnostizieren

Eine Untersuchung der Schilddrüse im Ultraschall (Sonographie), macht es möglich die Schilddrüse bildlich darzustellen, birgt keinerlei Gefahren und ist absolut schmerzfrei durchführbar. Auf diese Weise lässt sich schnell und zuverlässig die Struktur und Größe der Schilddrüse ermitteln.

Ultraschall bei Hashimoto-Diagnose: Echoarme Schilddrüse im Ultraschall - Ein Hinweis auf Hashimoto Thyreoiditis
Echoarme Schilddrüse im Ultraschall – Ein Hinweis auf Hashimoto Thyreoiditis

Aber auch eine Veränderung der Schilddrüse über einen längeren Zeitraum lässt sich auf diese Weise sehr gut dokumentieren und beobachten.

Eine gesunde Schilddrüse wird im Ultraschall hell (echoreich) dargestellt. Die umliegende Muskulatur und auch Knoten und Zysten hingegen werden eher dunkel (echoarm) angezeigt.

Eine typische Hashimoto-Schilddrüse wird in der Regel auch echoarm dargestellt. Dies gilt auch für eine Erkrankung der Schilddrüse mit Morbus Basedow.

Leider ist es mittels Ultraschall nicht möglich, zwischen hormonproduzierenden heißen oder nicht-hormonproduzierenden kalten Knoten zu unterscheiden. Dies ist allerdings mit Hilfe der Szintigraphie möglich.

Szintigraphie: Die visuelle Darstellung von Knoten und dem Funktionszustand der Schilddrüse

Bei der Szintigraphie gilt es den Funktionszustand der Schilddrüse bildlich darzustellen. Dies lässt sich mit Hilfe einer geringen Menge an radioaktiven Nukliden erreichen.

Szintigramm bei Hashimoto-Diagnose: Hashimoto Typ A mit disseminierten Autonomien vor Radiojodtherapie
Szintigramm: Hashimoto Typ A mit disseminierten Autonomien vor Radiojodtherapie

In der Regel wird dafür Technetium in die Blutbahn des Patienten gespritzt, um die Aktivität des vorhandenen Schilddrüsengewebes beurteilen zu können.

Diese Untersuchung dauert in der Regel zwischen 15-30 Minuten und ist absolut schmerzfrei.

Das Technetium hat wie auch Jod, die Eigenschaft sich kurzzeitig in der Schilddrüse anzureichern. Aufgrund der geringen Radioaktivität, gibt Technetium eine messbare Menge an Gamma-Strahlung ab.

Diese Strahlung kann in der Szintigraphie sichtbar gemacht werden und aktives und weniger aktives Schilddrüsengewebe farblich darstellen. Auf diese Weise können unter anderem heiße oder kalte Knoten enttarnt werden.

Die Messung der Basaltemperatur gibt schnelle Hinweise auf eine Schilddrüsenunterfunktion

Laut dem amerikanischen Schilddrüsen-Experten Broda Barnes, ist die schnellste und kostengünstigste Möglichkeit eine Schilddrüsenunterfunktion zu enttarnen, die Messung der axillaren Basaltemperatur. Somit ist diese Methode auch sehr hilfreich bei der Hashimoto-Diagnose.

Er empfiehlt morgens direkt nach dem wach werden im Bett liegen zu bleiben und die Körpertemperatur mit einem digitalen Fieberthermometer unter der Achsel zu messen.

Dabei sollte man darauf achten, nicht zu kurz zu messen. Mindestens fünf Minuten sollte man schon warten, bevor man den Knopf für die Messung betätigt.

Eine Schilddrüsenunterfunktion soll nach Dr. Barnes vorliegen, wenn die morgendliche Basaltemperatur unter 36,4° Celsius liegt. Schwankt die Temperatur täglich um mehr als 0,1° Celsius, deutet dies auf eine schwache Nebenniere hin. Sind die Messwerte erhöht, muss nicht zwingend eine Überfunktion der Schilddrüse vorliegen.

Erhöhte Körpertemperaturwerte können viele unterschiedliche Ursachen haben. Bei Frauen in der 2. Zyklushälfte, wäre bereits ab einer Basaltemperatur von 37.2 – 37.4° C eine Unterfunktion der Schilddrüse zu vermuten.

Sind Depressionen und eine angegriffene Psyche ein Hinweis für eine Hashimoto-Thyreoiditis ?

Vor allem auch wenn die Psyche verrückt spielt und sich Depressionen breit machen, sollte man wissen, dass die Hashimoto mit Unterfunktion der Schilddrüse die Ursache dieser Probleme sein kann.

Da die meisten Ärzte und Endokrinologen oft nicht besonders viel Erfahrung mit der Hashimoto-Diagnose haben, reicht es ihnen meist aus, wenn die Schilddrüsenwerte in der Norm liegen.

Das die meisten Hashimoto-Patienten eine Verbesserung ihres Befindens erst in den höheren Normbereichen erfahren, ist für die meisten Ärzte nicht verständlich und wird oft als Unfug abgetan.

Verlässt sich der Patient auf solche Aussagen des Arztes, folgt meist eine langjährige Behandlung mit Antidepressiva. Dies könnte sehr häufig vermieden werden, wenn der Patient und auch sein Arzt, über ein umfangreicheres Wissen bezüglich der Schilddrüse und der Normwerte verfügen würden.

Diesbezüglich herrscht allerdings noch reichlich Informationsbedarf und Aufklärungsarbeit, denn bereits im Beipackzettel von nahezu jedem Antidepressiva wird ausdrücklich darauf hingewiesen, vor der Einnahme eine gründliche Untersuchung der Schilddrüse sowie eine Hashimoto-Diagnostik vorzunehmen.

Wichtige Tipps zum Arztbesuch

  • Notiere dir vor dem Arztbesuch alle Fragen, die du dem Arzt stellen möchtest. So verhinderst du etwas zu vergessen und eventuell einen neuen Termin ausmachen zu müssen
  • Bestehe darauf, dass neben dem TSH auch die freien Schilddrüsenwerte fT3, fT4 und sämtliche Antikörper im Blut bestimmt werden. Nur so ist eine Hashimoto-Diagnose bzw. der Ausschluss einer Unterfunktion möglich. Falls der Arzt sich nicht darauf einlassen möchte, da er die Meinung vertritt, dass der TSH ausreicht, suche dir am besten sofort einen anderen Arzt.
  • Lasse dir immer Kopien der bestimmten Blutwerte aushändigen, hefte diese sorgsam ab und notiere dir auf den Laborkopien kleine Notizen zu dem aktuellen Befinden. So hast du auch nach vielen Monaten immer noch einen guten Überblick über die zurückliegenden Blutwerte und dem dazugehörigen Befinden.
  • Falls du bereits Schilddrüsenhormone einnehmen solltest, achte darauf diese erst NACH jeder Blutabnahme zu nehmen. Nimmst du die Hormone morgens vor der Blutabnahme ein, werden die Blutwerte nach oben hin verfälscht und sind nicht mehr aussagekräftig.

Viele wichtige Tipps, welche dir bei deiner Hashimoto-Diagnose und dem Verlauf der Erkrankung helfen können, findest du auch im folgenden Artikel: 12 wichtige Tipps zur Hashimoto-Thyreoiditis.

Quellenangaben
Bildquellen:
  • Titelbild: © Michael Ayed | Hashimoto-Info.de
  • Ultraschalluntersuchung: © Michael Ayed | Hashimoto-Info.de
  • Szintigramm: © Michael Ayed | Hashimoto-Info.de
Textquellen:
  • Datis Kharrazian, 2010: Why So I Still Have Thyroid Symptoms?, aus dem englischen übersetzt von Rotraud Oechsler, 5. Auflage 2014, VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2013
  • Izabella Wentz, Pharm. D., 2013: Hashimoto´s Thyroiditis: Lifestyle Interventions for Finding and Treating the Root Cause, aus dem englischen übersetzt von Rotraud Oechsler, 1. Auflage, VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2015
  • Dr. med. Leveke Brakebusch, Prof. Dr. med. Armin Heufelder, 2007: Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis, 3. Auflage, W.Zuckerschwerdt Verlag GmbH, Germering/München 2007
  • Prof. Dr. med. Johannes Köbberling, 1987: Schilddrüse: Pionierarbeiten aus eineinhalb Jahrhunderten, 3. Auflage, Henning Berlin GmbH, Berlin 1987
  • Janie A. Bowthorpe, M.Ed., 2012: Für die Schilddrüse – Gegen den Starrsinn – Stop the Thyroid Madness, 2. Auflage, Laughing Grape Publishing, LCC, Fredericksburg/Texas, USA 2012
  • Wikipedia – Hashimoto-Thyreoiditis
  • Reiners C, Wegscheider K, Schicha H, Theissen P, Vaupel R, Wrbitzky R, Schumm-Draeger PM. Prevalence of thyroid disorders in the working population of Germany: ultrasonography screening in 96,278 unselected employees. Thyroid. 2004 Nov;14(11):926-32.
Über den Autor:

Ghazi-Michael Ayed

ist seit 2008 ein betroffener Hashimoto-Thyreoiditis-Patient, der einen schweren Leidensweg hinter sich gebracht hat, um 2019 endlich eine deutliche Besserung seines gesundheitlichen Zustandes erfahren zu können. Er betreibt seit mehr als 12 Jahren intensive Recherchen zum Thema Hashimoto-Thyreoiditis und schreibt hier die gesammelten Informationen und Erfahrungen für Laien verständlich nieder.

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