Hashimoto-Tagebuch Teil 3: Meine verzweifelte Arztsuche

Da es mir nun mittlerweile immer schlechter ging und meine Ärztin mit ihrem Latein am Ende war, überwies sie mich in die endokrinologische Fachabteilung des Aachener Klinikums. Genauer gesagt zu einem der besten Spezialisten auf diesem Gebiet, wie meine Ärztin es formuliert hatte.

Das hörte sich doch gut an und wieder hatte ich ein Fünkchen Hoffnung, dass dieser Professor mir sicherlich endlich helfen konnte. Nach drei Wochen Wartezeit war es nun soweit und ich nahm den Termin bei dem Professor wahr.

Als ich sein Büro betrat, war ich erschlagen von dem riesigen Büro mit dem Marmorfußboden und den Designer-Möbeln.

Heute ist sowas für mich ein Grund zu flüchten, da die meisten Ärzte die ich bisher kennenlernen durfte und  diese sich so pompös präsentierten, meist nicht viel bieten konnten, außer nach veralteten Methoden zu behandeln oder pauschal auf die Psyche zu verweisen. Aber damals bin ich leider drauf reingefallen.

Dieser Arzt wollte von mir nur das Nötigste hören und den Rest hat er sich aus meinen mitgebrachten Unterlagen erlesen. Als ich ihm nochmals mein Leid klagen wollte, fuhr er mir sofort  über den Mund und meinte, dass er nichts hören möchte.

Er würde mich von Kopf bis Fuß untersuchen, dann würden wird das Problem schon finden und lösen. WOW! Starke Worte. Aber bei diesen ist es leider auch geblieben.

Gute Nachrichten: Ich bin gesund und eine Hashimoto-Thyreoiditis macht keine Probleme (Ironie)

Und so wurden verschiedene Untersuchungen in die Wege geleitet. Sowohl im Blut als auch im Urin wurden verschieden Werte bestimmt. Als ein paar Tage später alle Blut und Urinwerte aus dem Hauseigenem Labor beisammen waren, sollte ich zur Diagnose vorbeikommen.

Er hatte rausgefunden das ich eine Hashimoto-Thyreoiditis habe. Zudem wäre ich hormonell super eingestellt und es müsste mir blendend gehen. Alle Blut- und Urinwerte wären absolut im Normbereich. So wie es sich für einen 32 jährigen, kräftigen Kerl gehöre.

In diesem Moment habe ich den Mund nicht zubekommen. Da hat der Spezialist doch tatsächlich rausgefunden, dass ich eine Hashimoto-Thyreoiditis habe, wobei dies bereits in meinen mitgebrachten Unterlagen meiner Endokrinologin stand.

Und wenn es mir doch gut gehen würde, würde ich doch wohl nicht aussehen, als würde ich gleich umfallen und demnach einen Arzt aufsuchen.

Wenn ich meine Schilddrüsenhormone absetze, wird alles wieder gut (Ironie)

Es kam aber noch besser. Seiner Meinung nach würde eine Hashimoto-Thyreoiditis keine Probleme machen und ich sollte doch mein L-Thyroxin einfach komplett absetzen. Die Schilddrüse würde wieder problemlos meine Hormonversorgung übernehmen.

Da fiel mir wirklich nichts mehr ein. Ich konsultierte diesen Arzt aufgrund von massiver Symptomatik und habe bereits eine gesicherte Diagnose von meiner Endokrinologin. Dieser Professor bestätigt diese Diagnose und versucht mir aber weiszumachen, dass diese Erkrankung keine Symptome macht.

Für diese Aussage habe ich also einen Spezialisten aufgesucht. Einen der Besten, wohlgemerkt. So langsam wurde mir klar, dass die meisten Ärzte aktuell einfach sehr wenig Ahnung von dieser Erkrankung haben und auf keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen können.

Nach einem kurzen Wortwechsel habe mich höflich verabschiedet und stand wieder am Anfang mit meiner Suche nach einem Arzt, der mir helfen konnte.

Mittlerweile ging es mir so schlecht, wie man es sich wohl kaum vorstellen konnte. Ich konnte kaum noch am normalen Leben teilnehmen und war nahezu arbeitsunfähig. Nichts desto trotz war ich ja immer noch selbstständig, das Geschäft florierte und es gab viel zu tun.

Wäre meine Frau nicht immer für mich da gewesen und hätte mich sowie mein Geschäft mit unfassbarer Energie unterstützt, wäre ich wohl bereits längst nicht nur gesundheitlich sondern auch finanziell am Ende.

Hashimoto macht einsam und nachdenklich

Womit wir an dem Punkt wären, an dem ich mich aufrichtig bei meiner geliebten Frau bedanken möchte, ohne die ich vermutlich schon nicht mehr da wäre!

Einsamkeit und Depression durch Hashimoto-Thyreoiditis
Einsamkeit und Depression durch Hashimoto-Thyreoiditis
© David – Fotolia.com

Ich möchte auch meinen wenigen, verbliebenen Freunden danken, die immer für mich da waren und mich bis hierhin durch die schweren Zeiten begleitet haben!

Denn Freunde verliert man mit dieser Krankheit relativ zügig, da kaum jemand diese Krankheit und ihre Symptome verstehen kann oder will.

Vielen war mein Zustand auch einfach zu unbequem. Nachdem ich über eine gewisse Zeit alle Discobesuche oder Freizeitaktivitäten nicht wahrnehmen konnte, da es mir gesundheitlich einfach zu  schlecht ging, wurde ich von den meisten Freunden einfach fallen gelassen.

Dieser Weg ist leider für viele Menschen nun mal der Einfachere.

Aber das ist wohl das einzig Positive an dieser Krankheit: Die meisten Menschen zeigen in solchen Situationen ihr wahres Gesicht und man erfährt letztendlich, welche Freunde die wirklichen Freunde sind.

Das Schwermetall Quecksilber wird zum ersten Mal ein Thema

Irgendwie musste es aber weitergehen. Somit versuchte ich mich weiter zu der Krankheit einzulesen und stolperte aber auch immer wieder über verschiedene andere Erkrankungen, die mit meinen Symptomen übereinstimmten.

Da ein umfangreicher Zahnarztbesuch anstand, kam ich auch zwangsläufig an dem Thema “Quecksilber” nicht vorbei.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich acht Amalgamfüllungen im Mund, was vermutlich meine gesundheitliche Situation nicht unbedingt vorteilhafter gestaltete.

Ist Amalgam eine Ursache für Autoimmunerkrankungen ?
Ist Amalgam eine Ursache für Autoimmunerkrankungen ?
© Tanapat Lek,jew – Fotolia.com

Als die acht Plomben dann ohne jegliche Schutzvorkehrungen entfernt wurden, fand ich heraus, das Quecksilber in jedem Fall ausgeleitet werden musste.

Laut Dr. Mutter, über den in dieser Zeit sehr viel berichtet wurde, wären dazu Chlorellaalgen Bärlauch und Koriander geeignet und angeblich sehr wirksam.

Bis zum Ende des Jahres habe ich eine entsprechende Ausleitung der Schwermetalle nach Dr. Mutter Protokoll durchgeführt, allerdings ohne spürbaren Erfolg oder jegliche Verbesserung meines Gesundheitszustandes.

Wie sich später rausstellen sollte, ist das Protokoll absolut unbrauchbar und wirkungslos, wenn es um eine echte Quecksilber-Vergiftung geht. Eines Vorweg: Das heißt aber nicht, das Quecksilber nicht mein größtes Problem sein sollte.

Ein neuer Arzt aus Düsseldorf unternahm endlich etwas

Zum Ende des Jahres habe ich auf Empfehlung einer Bekannten, die auch seit Jahren mit der Hashimoto-Thyreoiditis zu kämpfen hat, einen weiteren Arzt aufgesucht. Es war ein Internist aus Düsseldorf, der sich auf das Thema Schilddrüse und Hashimoto-Thyreoiditis spezialisiert hatte.

Ein neuer Arzt versucht bei der Hashimoto-Thyreoiditis zu helfen
Ein neuer Arzt versucht bei der Hashimoto-Thyreoiditis zu helfen
© Syda Productions – Fotolia.com

Er beeindruckte mich zunächst sehr mit seinem Fachwissen und seiner Art und Weise. Außerdem nahm er sich sehr viel Zeit für mich und hatte mir viele Zusammenhänge sehr ausführlich erklärt.

Zum Schrecken meiner privaten Krankenkasse, hatte er seitenweise Blutwerte in verschiedenen Laboren angefordert.

Die Kosten dafür gingen in die Tausende, wurden aber glücklicherweise von meiner Krankenkasse vollständig übernommen.

Seiner Meinung nach bräuchte ich Schilddrüsenhormone als Kombipräparat mit zusätzlichem T3. Er war der Meinung, dass mein fT3 im Verhältnis zum fT4 zu niedrig lag.

Und da nur T3 stoffwechselaktiv ist, wäre der niedrige fT3 im Blut verantwortlich für meine gesundheitlichen Probleme.

Daraufhin verschrieb er mir eine Packung Novothyral 100. Dieses Schilddrüsenmedikament enthält pro Tablette 100µg T4 und 20µg T3 und hatte mich schlicht und ergreifend einfach umgehauen.

Starke Überfunktionssymptome machten sich sofort bemerkbar und sorgten für sehr unangenehme Symptome.

Nach einem Telefonat mit dem Arzt und der Schilderung meiner Problematik mit Novothyral, schickte er mir ein neues Rezept für eine Packung Prothyrid, welches „lediglich“ 10µg T3 und 100µg T4 enthält.

Mit diesem Verhältnis ging es mir direkt deutlich besser und ich begann mit dem Finetuning. Alle 4 Wochen wurden neue Blutwerte bestimmt und die Dosis entsprechend angepasst.

Aber irgendwie stellte sich keine Symptomfreiheit ein. Egal welche Dosierung ich auch ausprobierte.

Unterzuckerungen durch eine Insulinresistenz oder doch aufgrund einer Nebennierenschwäche ?

Parallel zu der Schilddrüseneinstellung wurden noch einige Blutzuckertests gemacht und es stellte sich heraus, dass ich wohl tatsächlich sehr schnell zu Unterzuckerungen neige.

Dies könnte nach Meinung des Arztes eine Insulinresistenz als Ursache haben, welche er versuchsweise mit Metformin behandeln wollte.

Und tatsächlich ging es mir zunächst für einige Tage deutlich besser mit der Einnahme von Metformin. Leider hielt diese Verbesserung nur kurz an und ließ sich auch mit verschiedensten Dosierungen nicht mehr reproduzieren.

Das Problem war, dass ich wirklich Unterzuckerungen erlitt, aber der Ursprung lag woanders, was ich aber erst ein paar Monate später feststellen musste.

Einige Wochen später habe ich das Metformin wieder abgesetzt, mich weiterhin der Schilddrüseneinstellung gewidmet und bin im Gespräch mit dem Arzt auf das Thema Nebennierenschwäche zu sprechen gekommen. 

Cortisol-Tagesprofil mit sehr niedrigen Cortisolwerten im Tagesverlauf
Ein Cortisolspeicheltest, der nicht schlechter hätte ausfallen können | © Michael Ayed – Hashimoto-Info.de

Ich hatte nämlich zwischenzeitlich weiterhin an diesem Thema geforscht und auf eigene Faust bei Ganzimmun Speicheltests bestellt und meinen Cortisolstatus bestimmen lassen. Die Ergebnisse waren einfach nur unterirdisch.

Als ich dem Arzt die Ergebnisse zeigte, war dieser sofort bereit mir Cortison aufzuschreiben, um die Nebennieren zu entlasten und mein Befinden zu verbessern.

Ich war heilfroh endlich einen Arzt gefunden zu haben, der Engagement zeigte und auch bereit war mit dem Patienten zu arbeiten, anstatt sich lediglich profilieren zu wollen. Endlich wird meine Nebennierenschwäche anerkannt und auch behandelt. Dazu mehr im kommenden Jahr 2011.


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Quellenangaben
Bildquellen:
  • Titelbild: © Michael Ayed | Hashimoto-Info.de
  • Einsamkeit und Depression: © David | Fotolia.com
  • Zahnamalgam: © Tanapat Lek,jew | Fotolia.com
  • Neuer Srzt aus Düsseldorf: © Syda Productions | Fotolia.com
  • ©
  • Cortisol-Tagesprofil: © Michael Ayed | Hashimoto-Info.de
Über den Autor:

Michael Ayed

ist seit 2008 ein betroffener Hashimoto-Thyreoiditis-Patient, der einen schweren Leidensweg hinter sich gebracht hat, um 2019 endlich eine deutliche Besserung seines gesundheitlichen Zustandes erfahren zu können. Er betreibt seit mehr als 12 Jahren intensive Recherchen zum Thema Hashimoto-Thyreoiditis und schreibt hier die gesammelten Informationen und Erfahrungen für Laien verständlich nieder.
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