Hashimoto-Tagebuch Teil 2: Meine Schilddrüseneinstellung mit L-Thyroxin beginnt

Anfang des Jahres 2009 ging nun endlich meine Hormoneinstellung mit L-Thyroxin von Henning los. Meine Endokrinologin wollte zunächst, dass ich mit einer Dosierung von 50µg einmal täglich beginne.

Nachdem sie mich aber noch kurz auf die Waage gestellt hatte, hat sie die Startdosis auf satte 100µg nach oben hin korrigiert. Zu diesem Zeitpunkt wog ich 90kg.

Da ich mich im Vorfeld schon informiert hatte, das man mit maximal 25µg L-Thyroxin beginnen sollte, wurde mir schnell klar, das die Endokrinologin anscheinend doch nicht so versiert auf ihrem Gebiet war, wie zunächst angenommen.

Selbst in der Packungsbeilage der Schilddrüsenhormone konnte man entsprechende Angaben zu der Dosierung und Warnungen vor Überdosierungen bzw. zu schneller Steigerung entnehmen.

Im Bereich der Endokrinologie ist allgemein bekannt, das man mit einer niedrigen Dosierung  einsteigen und dann alle paar Wochen vorsichtig steigern sollte. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass der Patient nicht in eine künstliche Überfunktion gerät und starke Symptome erleiden muss.

Auf lange Sicht würde diese Vorgehensweise auch die Dauer der Hormoneinstellung verkürzen, da es deutlich weniger Rückschläge gäbe und nicht immer wieder nachkorrigiert werden müsste.

Wenn ich mit 100µg L-Thyroxin begonnen hätte, wäre ich mit Sicherheit in eine sehr unangenehme Überfunktion geraten.

Ich beginne mit 25µg L-Thyroxin und hoffe auf eine Verbesserung meines Befindens

Somit hatte ich die verschriebenen Tabletten geteilt bzw. geviertelt, um diesem Risiko aus dem Wege zu gehen.

In den ersten Tagen verspürte ich unter 25µg L-Thyroxin, trotz einem deutlichen Anfluten der Schilddrüsenhormone am Morgen, eine deutliche Verbesserung meines Befindens zum Nachmittag hin.

Diese Verbesserung der Hauptsymptome ging allerdings nach ein paar Tagen nahtlos in die bekannte Erstverschlechterung über.

So wurde es mir aber auch von der Ärztin und von einigen Hashimoto-Patienten beschrieben, die ich zwischenzeitlich kennengelernt hatte.

Ich habe diese Dosis fast drei Wochen gehalten und habe dann auf anraten meiner Ärztin, die Hormondosis auf  50µq L-Thyroxin gesteigert.

Allerdings ging es mir mit der neuen Dosierung immer schlechter, sodass ich gegen Ende März auf 75µg L-Thyroxin gesteigert  habe.

Die Steigerung der Hormondosis führt nicht zur gewünschten Besserung meiner Symptome

Die Steigerung meiner Hormondosis auf 75µg hatte leider keine Verbesserung meines Befindens herbeigeführt.

Ganz im Gegenteil. Ich wurde immer blasser, hatte immer mehr Kreislaufprobleme, Schwindel, litt unter massiver Müdigkeit und anderen Symptomen.

Mein Befinden schwankte von Tag zu Tag. Jeden Tag ging es mir anders schlecht. Immer wieder kamen neue Symptome dazu, andere dagegen verschwanden. Es schien doch nicht alles so einfach zu sein, wie die Ärztin es zu Beginn geschildert hatte.

In jedem Fall ließen sich meine Probleme und Symptome nicht so einfach mit einer kleinen Tablette wieder ins Lot bringen. Das stand schon einmal fest. Das die Einstellung nicht klappte, war aber sehr frustrierend, aber ich versuchte es tapfer immer weiter.

Könnte es eine Nebennierenschwäche sein?

Ich machte mich weiterhin im Hashimoto-Forum schlau, lass viele Bücher, die mir sehr geholfen haben und mich auf eine weitere Problematik aufmerksam machten. Die Nebennierenschwäche.

Diese Erkrankung soll häufig bei Hashimoto-Patienten auftreten und bringt alle Symptome mit sich, die mich aktuell und dauerhaft plagten. Die Grafik zeigt, welche Vorgänge im Körper nicht mehr sauber ablaufen, wenn die Nebennieren geschwächt sind.

Infografik: Stressreaktion - Vorgänge die bei einer Nebennierenschwäche nicht mehr vollständig ablaufen
Infografik: Stressreaktion – Vorgänge die bei einer Nebennierenschwäche nicht mehr vollständig ablaufen | © VectorMine – Fotolia.com

So schnell wie möglich vereinbarte ich einen neuen Termin bei meiner Endokrinologin, um mit ihr die Möglichkeit der Nebennierenschwäche bei mir zu besprechen und gegeben falls entsprechende Testungen durchzuführen.

Leider hielt meine Ärztin nicht sonderlich viel von der sogenannten Nebennierenschwäche. Sie war der Meinung, dass es aus schulmedizinischer Sicht nur die Nebennierenerkrankung Morbus-Addison gäbe, welche mit einem totalen Versagen der Nebennieren einherging.

Eine Schwächung der Nebennieren wäre ihr somit neu und auch das Interesse diesbezüglich hielt sich sehr in Grenzen.

Allerdings konnte sie es nicht übersehen, wie schlecht es mir ging und hatte sich letztendlich doch noch, auf den von mit recherchierten Cortisol-Speicheltest, eingelassen.

Ein Cortisol-Speicheltest wird hoffentlich etwas Licht ins Dunkle bringen

Meine Ärztin hatte den Speicheltest bestellt und so konnte ich ihn einige Tage später in der Praxis abholen. Endlich hatte ich die Möglichkeit mein Cortisol im Tagesverlauf zu messen.

Der Test bestand aus lediglich vier Proberöhrchen, anstatt aus den normalerweise üblichen sieben Röhrchen. Aber selbst das war besser als nichts.

Es hatte eine ganze Weile gedauert bis die Ergebnisse vom Labor eingetroffen waren, aber nach fast drei Wochen war es soweit:

  • Cort1 0.41ug/dl (0.185–1.457) » 17,69%
  • Cort2 0.10ug/dl (0.076–0.569) » 4,87%
  • Cort3 0.09ug/dl (0.065–0.438) » 6,7%
  • Cort4 0.02ug/dl (0.033–0.333) » 4,33%

Parallel dazu wurde noch mein Blut untersucht und es kam ein stark erhöhter ACTH-Wert heraus. Dies ist im Grunde immer ein Zeichen dafür, dass die Hypophyse die Nebennieren anspornen möchte, mehr Cortisol zu produzieren.

Cortisolspeicheltest - zu niedriges Cortisol

Wenn diese aber zu stark erschöpft sind, ist dies nicht möglich und der ACTH steigt weiterhin an.

Leider war dies alles kein Grund für meine Ärztin, eine Nebennierenschwäche zu akzeptieren, geschweige denn eine ordentliche Behandlung in die Wege zu leiten. Ihrer Meinung nach war alles soweit noch in Ordnung und meine Probleme müssten woanders liegen.

Eine Nebennierenschwäche steht fest, wird aber nicht behandelt

Da ich es zu der Zeit leider nicht viel besser wusste, hatte ich mich auf ihre Worte verlassen und ein weiterer Strohhalm, an den ich mich geklammert hatte, war weggebrochen.

Hätte ich mich bereits damals besser informiert, dann wäre mir schnell klar gewesen, dass da bereits zu diesem Zeitpunkt eine recht ordentliche Nebennierenschwäche vorlag und somit eine Therapie mit L-Thyroxin sogar absolut kontraproduktiv war.

Aber ich war ja nun mal kein Arzt und hörte zunächst auf das, was man mir sagte. Dies stellte sich allerdings im weiteren Verlauf meiner Erkrankung immer wieder als grober Fehler heraus.

Somit mussten meine Probleme wohl weiterhin bei der Schilddrüse und der Hashimoto-Thyreoiditis zu suchen sein, sodass ich den Rest des Jahres weiterhin versuchte, mich irgendwie mit L-Thyroxin einzustellen. Allerdings ohne jeglichen Erfolg. Dazu mehr im kommenden Jahr 2010.


Dies könnte dich auch interessieren:


Quellenangaben
Bildquellen:
  • Titelbild: © Michael Ayed | Hashimoto-Info.de
  • Infografik Stressreaktion: © VectorMine – Fotolia.com
  • Cortisol-Speicheltest: © Michael Ayed | Hashimoto-Info.de
Über den Autor:

Michael Ayed

ist seit 2008 ein betroffener Hashimoto-Thyreoiditis-Patient, der einen schweren Leidensweg hinter sich gebracht hat, um 2019 endlich eine deutliche Besserung seines gesundheitlichen Zustandes erfahren zu können. Er betreibt seit mehr als 12 Jahren intensive Recherchen zum Thema Hashimoto-Thyreoiditis und schreibt hier die gesammelten Informationen und Erfahrungen für Laien verständlich nieder.
Hashimoto-Info.de: 5.0 von 5 Sternen aus 13 Google-Bewertungen

Schreibe einen Kommentar