Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, die sich auf die Schilddrรผse auswirkt und ihren Namen dem japanischen Chirurgen und Pathologen Hakaru Hashimoto verdankt. Auch wenn die Krankheit heute weit verbreitet und jedem Arzt bekannt ist, ist die Person, die sie vor mehr als 100 Jahren entdeckt hat, weniger bekannt. Hakaru Hashimoto wurde in eine Familie von Medizinern geboren und war besonders von seinem Groรvater Genโi Hashimoto geprรคgt, der ein berรผhmter Arzt der ausgehenden Edo-รra war.
Als Assistenzarzt an der Chirurgischen Universitรคtsklinik Kyushu entdeckte Hashimoto bei postoperativen mikroskopischen Untersuchungen von Schilddrรผsengewebe bei vier Patientinnen etwas absolut Ungewรถhnliches: lymphozytรคre Infiltrate bei entzรผndlicher Gewebsverรคnderung sowie Fibrose. Er beschrieb seine Entdeckung detailliert und nannte sie โlymphomatose Strumaโ, wobei er sie von รคhnlich erscheinenden Krankheiten der Schilddrรผse abgrenzte. Um seine Ergebnisse auch auรerhalb Japans bekannt zu machen, verรถffentlichte er sie in einer deutschen Medizinzeitschrift.
รber einen Zeitraum von vier Jahrzehnten wurde Hashimotoยดs Entdeckung kaum beachtet. Erst in den 1930er-Jahren bestรคtigten Studien in Amerika und England, dass es sich bei der Thyreoiditis des Japaners um eine eigenstรคndige, neue Krankheit handelte. Dennoch wurde sie lediglich als seltene Erkrankung und histologische Kuriositรคt betrachtet. Der Durchbruch erfolgte 1956, als zwei Forscherteams fast zeitgleich Autoantikรถrper gegen Schilddrรผsenproteine im Serum von Hashimoto-Patienten nachwiesen. Die bis dahin unbekannte Autoimmunkrankheit in Hashimotoยดs Konzept war entdeckt worden.
Dieser bahnbrechende Fund machte die revolutionรคre Bedeutung von Hashimotoยดs Entdeckung deutlich. Leider war er zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben und konnte die Auswirkungen seiner Arbeit nicht mehr miterleben. Nach der Verรถffentlichung seiner Dissertationsschrift ging er nach Gรถttingen, um รผber Tuberkulose zu forschen. Aufgrund des Krieges kehrte er 1915 รผber England nach Japan zurรผck und fรผhrte dort die Landklinik seines verstorbenen Vaters weiter. Obwohl er unbekannt war, wurde er von seinen Patienten hochgeschรคtzt. Wรคhrend eines Hausbesuchs infizierte er sich mit Typhus und starb im Alter von nur 52 Jahren im Jahr 1934.
Die japanische Schilddrรผsenvereinigung hat Hashimotoยดs Portrรคt in ihrem Logo verewigt, um an den bedeutenden Mediziner zu erinnern. Durch seine Entdeckung einer neuen Schilddrรผsenkrankheit hat Hakaru Hashimoto einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Forschung geleistet und dazu beigetragen, dass diese Erkrankung heute besser verstanden und behandelt werden kann.
Nachfolgend findest du die originale Dissertation, die 1912 im Archiv fรผr Klinische Chirurgie in Berlin publiziert wurde:
Zur Kenntnis der lymphomatรถsen Verรคnderung der Schilddrรผse (Struma lymphomatosa).
Von Dr. H. Hashimoto, Assistent der I. chirurg. Universitรคtsklinik in Kiushiu, Japan (Director: Prof. Dr. H. Miyake).
Unter dem neu von mir geprรคgten Ausdruck โlymphomatรถse Verรคnderung der Schilddrรผseโ verstehe ich eine Wucherung der lymphatischen Elemente mit Lymphfollikelbildung, sowie eine gewisse Verรคnderung des Parenchyms und des Insterstitiums, die man in dem exzidierten Strumagewebe zu sehen bekommt.
Solche Befunde erregten mein ganzes Interesse und veranlassten mich zur Bearbeitung des vorstehenden Themas.
Ich beobachtete nรคmlich wรคhrend 6 Jahre in unserer Klinik vier derartige Strumafรคlle, die ich als โStruma lymphomatosaโ bezeichnen mรถchte, und da diese Affection meines Wissens in der Literatur noch nicht nรคher beschrieben worden ist, mรถge es mir gestattet sein, dieses Leiden nรคher darzustellen.
Das lymphoide Gewebe befindet sich im Kรถrper in zwei verschiedenen Formen, einmal in diffuser, also ohne bestimmte Gestalt, so wie in vielen Schleimhรคuten, besonders des Verdauungskanals, der Lunge, der Luftrรถhre, der Urethra, der Geschlechtsorgane, in der Konjunktiva, dem Knochenmark und der Speicheldrรผse; in anderer Form pflegt dasselbe die Grundlage der lymphoiden Organe zu bilden.
Die einfachste Form der lymphoiden Organe
Die einfachste Form der lymphoiden Organe sind die sogenannten Solitรคrfollikel (Noduli lymphatici solitarii). Diese peripheren Lymphknรถtchen kรถnnen mit den sogenannten Rindenknรถtchen, die in der Rinde der Lymphdrรผse vorhanden sind, verglichen werden.
Die Lymphknรถtchen sind 0,5-2,5 mm groร und bilden rundliche, knotenfรถrmige Anhรคufungen von lymphoiden Elementen. Das Retikulum des Follikels ist am Rande von etwas dichterer Struktur und soll hier nach v. Ebner elastische Fasern enthalten.
Die lymphoiden Zellen sind oft so angeordnet, dass sie im Schnitt konzentrische Ringe bilden. In der Mitte des Follikels befindet sich oft ein rundlicher Bezirk, in welchem die Zelle nicht so dicht aneinander gedrรคngt sind wie die peripheren Teile. Dieser wird Keimzentrum oder Sekundรคrknรถtchen genannt.
In den Keimzentren befinden sich eigenartige Zellformen. Ein Art derselben enthรคlt einen grรถรeren, blass gefรคrbten Kern in relativ reichlich entwickeltem Protoplasma. Darunter befinden sich zahlreiche, in mitotischer Teilung begriffene Zellen.
Nach Flemming stellt diese Zellanhรคufung eine Bildungsstelle von Leukozyten dar. In der peripherischen Zone des Follikels ist der Zellleib spรคrlich und der Kern intensiv gefรคrbt.
Die Ernรคhrung des Follikels erfolgt durch ein reiches, aber zartes Gefรครnetz. His gibt an, dass das Zentrum des Follikels oft von ihm frei bleibt.
รber die Lymphgefรครe im Lymphfollikel herrscht keine volle รbereinstimmung. Nach Rauber durchziehen sie die Lymphknรถtchen und stehen vielleicht mit der adenoiden Substanz in offener Verbindung.
Die Nervenfasern gehen nicht direkt in die Follikel hinein, ausgenommen in jenen Fรคllen, wo sie von Blutgefรครen begleitet sind. Der Solitรคrfollikel ist von einem reichlichen Gefรครnetz umgeben, dass sich nach His zuweilen zu sinusartigen Bildungen ausdehnt.
In den pathologischen Fรคllen, wie bei Entzรผndungen, Geschwรผlsten, leukรคmischen und aleukรคmischen Lymphomen usw. kommt die Wucherung des lymphatischen Gewebes in verschiedenen Organen vor.
Bei den leukรคmischen und aleukรคmischen Lymphomen treten mรคchtige hyperplastische Wucherungen des lymphatischen Gewebes der Lymphdrรผse oder Lymphocytenherde als sogenannte Lymphome in verschiedenen Organen , z.B. in den Nieren, der Haut, dem Peritoneum, der Dura, dem Herzen, dem Darm, der Mundhรถhle, den Trรคnendrรผsen, den Speicheldrรผsen usw. auf. Vielleicht kรถnnten sich รคhnliche Verรคnderungen, die ich eben angefรผhrt habe, auch bei meinen Fรคllen abspielen.
Was das Vorkommen von Lymphocytenherden, teilweise mit Keimzentren versehen, in der Schilddrรผse anbetrifft, so ist dasselbe schon von A. Kocher und Howald bei Morbus Basedowii, sowie von Hedinger bei Struma sarcomatosa gefunden worden.
Die Krankengeschichten unserer Fรคlle
1. Am 21.11.1907 aufgenommen. Frau J.U., 61 Jahre alt. Der Vater starb an Apoplexie, sonst nicht hereditรคr belastet. Die Patientin von Kindheit an gesund, niemals nennenswerte Krankheit durchgemacht.
Venerische Krankheit negiert. Erst vor 7 Monaten bemerkte die Patientin einen Tumor an dem medianen Teil des Halses, der sich angeblich seit dem nicht vergrรถรert hat. Schlaflosigkeit, Herzklopfen oder Stรถrung des allgemeinen Befindens fehlen bis jetzt.
Status praesens. Mittelgroรe Statur, mรครig stark gebaut und genรคhrt. Innere Organe intakt. Keine Zeichen von Basedowยดscher Krankheit. Der am medianen Teile des Halses befindliche Tumor besitzt eine hufeisenfรถrmige Gestalt, als Ganzes รผber hรผhnereigroร, beim Schlucken sich hebend, nicht druckempfindlich, etwas derb, auf der Trachea festsitzend, gegen die Haut und die Umgebung frei beweglich. Drรผsen- und Knochensystem zeigen nichts Abnormes.
Diagnose: Struma parenchymatosa. Operation am 22.11.1907 in Chloroformnarkose. Kragenschnitt nach Kocher; subcapsulรคre Resektion aus beiden Lappen. Die Prรคparierung der Kropfhaut geschah ohne besondere Schwierigkeit; Blutung gering. Exstirpiertes Strumagewebe etwas derb.
Verlauf: Leichtes Fieber bis 38ยฐ. Patientin fรผhlt sich sehr matt. Nach einer Woche Drainrohr und Nรคhte entfernt. Per primam geheilt und am 18.12. entlassen. Es besteht sehr leichte postoperative Heiserkeit. Laut brieflicher Mitteilung am 7.3.1911 befindet sich die Patientin ganz gesund, und die operierte Stelle ist bisher nicht wieder angeschwollen.
2. Am 30.05.1909 aufgenommen. Y. N., 40jรคhrige Bรคuerin, stammt aus gesunder Familie. Im 2. Lebensjahr Pocken durchgemacht. Leidet seit 20 Jahren an Leukorrhoe. Vor 40 Tagen bemerkte die Patientin einen schmerzlosen Tumor in der Nรคhe des Ringknorpels, der sich bisher nicht merklich vergrรถรert hat. Seit einem Monat wurde die Patientin gewahr, dass ihr Stimme belegt war. Ferner bestehen bisweilen leichte Kopfschmerzen. Appetit etwas gestรถrt.
Status praesens: Mittelgroรe Statur, graziรถs gebaut, mรครig genรคhrt, etwas anรคmisch. Sรคmtliche innere Organe intakt. Am medianen Teile des Halses befinden sich ein hufeisenfรถrmiger Tumor, bestehend aus zwei Lappen und einem Verbindungsstรผck: Rechter Lappen 7 cm hoch, 3,5 cm breit; linker Lappen 5,5 cm hoch, 4,5 cm breit; an der Basis 6,5 cm breit.
Der Tumor ist nicht druckempfindlich, ist auffรคllig derb, feinhรถckerig, beim Schlucken sich hebend, auf der Unterlage schwer beweglich; sonst keine Verwachsung. Am รผbrigen Kรถrper, besonders am Drรผsen- und Knochensystem , nichts Abnormes.
Diagnose: Verdacht auf Struma maligna. Operation am 2.7.1907 unter Chloroformnarkose. Kocherยดscher Kragenschnitt. Das ganze Schilddrรผsengewebe tumorartig vergrรถรert, รผberall gleichmรครig derb abzutasten. Beim Abprรคparieren der Kropfhaut blutet es ziemlich stark.
Von beiden Lappen Exzision ausgefรผhrt, nรคmlich vom rechten ein 6c m : 3,5 cm . 2,5 cm und vom linken ein 5 cm : 3,4 cm : 2 cm groรes Stรผck. Die Oberflรคche des exzidierten Strumagewebes ist feinhรถckerig und lobulรคr geteilt. Die Schnittflรคche nicht markig.
Verlauf: Reaktionsloser, glatter Verlauf. Die Wunde per primam geheilt, und die Patientin wurde am 19.7. geheilt entlassen. Damaliger Befund: Gesichtsfarbe noch anรคmisch. Appetit gut. An der operierten Stelle ist noch ein Tumorrest zurรผckgeblieben.
Am 27.1.1911 zur Nachuntersuchung wieder aufgenommen. Ca. ยพ Jahre lang nach der Entlassung fรผhlte sich die Patientin am ganzen Kรถrper sehr schwach und war arbeitsunfรคhig. Vom Anfang 1910 an nahm die Kรถrperkraft allmรคhlich zu, und die Patientin wurde arbeitsfรคhig.
Der damalige Status lautete: Gesichtsfarbe anรคmisch, Ernรคhrung mรครig gut. Sรคmtliche inneren Organe intakt. Der bei der Entlassung fรผhlbar gewesene Tumorrest spurlos verschwunden.
Koth enthรคlt reichliche Anchylostomeneier. Durch innerlichen Gebrauch von Thymol und Naphatalin Anchylostomen abgetrieben. Wassermannยดsche Reaktion, sowie Tuberkulininjektion fielen negativ aus.
3. Am 19.6.1905 aufgenommen. Frau S. T., 55 Jahre alt, machte einmal Frรผhgeburt durch, sonst ganz gesund. Syphilis negiert. Vor 30 Tagen entdeckte die Patientin zufรคllig einen Tumor am vorderen Halse, der bis jetzt keine erhebliche Volumenzunahme gezeigt hat.
รber Spannungsgefรผhl an den Schultern und รผber zeitweise einsetzende leichte Kopfschmerzen wird geklagt.
Status praesens: Kleine Statur, mรครig genรคhrt, etwas anรคmisch. Innere Organe intakt. Am vorderen medianen Teil des Halses ein Tumor, welcher genau der Schilddrรผse entspricht: Rechter Lappen hรผhnereigroร, linker taubeneigroร; als Ganzes hufeisenfรถrmig.
Der Tumor ist nicht druckempfindlich, im Allgemeinen sehr derb, auf der Trachea festsitzend, gegen die Haut und das umgebende Gewebe frei beweglich. Das Drรผsen- und Knochensystem, sowie der รผbrige Kรถrper bieten nichts Abnormes dar.
Diagnose: Struma fibrosa. Operation am 20.6.1905 unter Chloroformnarkose. Kocherยดscher Kragenschnitt. Der rechte Schilddrรผsenlappen hรผhnereigroร, sehr derb, tumorartig angeschwollen; der linke taubeneigroร und รคhnlich beschaffen wie der vorhergehende. Resektion der beiden Lappen. Das exzidierte Tumorgewebe ist genau wie im Fall 2 beschaffen.
Verlauf: Stimme belegt, leichte Schmerzen beim Schlucken. Spannungsgefรผhl am Halse. Allgemeinbefinden gestรถrt. Die Nรคhte entfernt, per primam geheilt. Heiserkeit allmรคhlich nachgelassen. Patientin fรผhlt sich wohl. Am 7.7.1905 geheilt entlassen. In der operierten Halsgegend kann man noch einen derben Tumorrest abtasten, der bei der Operation absichtlich zurรผckgelassen worden war.
Es bestehen noch leicht Anรคmie und Heiserkeit. Am 20.3.1911, also 5 2/4 Jahre post operationem poliklinisch untersucht. Nach der Entlassung bestand eine Zeit lang noch allgemeine Schwรคche und schlechter Appetit. Im Winter fror die Patientin auffallend stark und wurde schwรคchlich.
Im Jahre 1906 traten das ganze Jahr hindurch รdeme am Kรถrper, natรผrlich mit gewissen Remissionen und Exacerbationen, auf. Von Anfang 1907 an hatte sich der Zustand allmรคhlich gebessert. รdeme am Kรถrper durch innerlichen Gebrauch von Schilddrรผsenprรคparat bedeutend gebessert.
Status praesens: Mรครig genรคhrt, nicht anรคmisch. Stimme nur leicht belegt, Harn frei von Eiweiร. Trotz sorgfรคltiger Betastung ist in der Schilddrรผsengegend nichts Abnormes zu finden.
4. Am 19.9.1907 aufgenommen. S.K., 45 Jahre alte Witwe, niemals nennenswerte Krankheit durchgemacht; venerische Krankheit negiert. Vor drei Tagen bemerkte die Patientin einen Tumor am vorderen medianen Halse, welcher ohne besondere Volumszunahme bis jetzt beschwerdelos geblieben ist.
Status praesens: Groรe Statur, krรคftig gebaut, leicht anรคmisch. Innern Organe intakt. Am vorderen Halse unter dem Ringknorpel befindet sich ein hรผhnereigroรer, hufeisenfรถrmiger Tumor, beim Schlucken sich hebend, nicht druckempfindlich, am Boden fest aufsitzend, gegen das umgebende Gewebe hin beweglich.
Halsdrรผsen nirgends angeschwollen. Knochensystem und รผbrige Kรถrperteile zeigen nichts Abnormes.
Diagnose: Strum fibrosa. Operation am 20.10. unter Chloroformnarkose. Kragenschnitt. Man sieht gleichmรครig angeschwollenes Schilddrรผsengewebe von sehr derber Konsistenz. Beim Abprรคparieren der Kropfhaut blutet es reichlich. Resektion der beiden Lappen und des Isthmus ausgefรผhrt. Die ausgeschnittene Gewebspartie erscheint รคhnlich wie im Fall 2.
Verlauf: Leichte Hustenanfรคlle mit Sputa, sonst reaktionsloser, glatter Verlauf. Heilung per primam. Am 13.10. mit folgendem Status entlassen: Gesichtsfarbe blass; Appetit gut; zurรผckgebliebener Kropfteil noch fรผhlbar. Am 13.3.1911, als 3 1/3 Jahre post operationem, poliklinisch untersucht.
Es bestand nach der Entlassung eine langandauernde allgemeine Schwรคche. Dazu trat ab und zu leichtes รdem im Gesicht auf. Angeblich soll im Sommer 1910 wieder eine symptomlose Anschwellung in der Schilddrรผsengegend aufgetreten sein, die aber spontan zurรผckging.
Status praesens: Ernรคhrung mรครig gut. Leichte Anรคmie. Innere Organe intakt. Stimme nur leicht belegt. In der vorderen Halsgegend fรผhlt man beide Schilddrรผsenlappen etwas strumรถs angeschwollen. Die Lappen sind nicht druckempfindlich, aber derb.
Klinische Zusammenfassung
Fassen wir die bisherigen klinischen Beobachtungen zusammen, so handelte es sich im Ganzen um vier Patienten, die sรคmtlich weiblichen Geschlechts und รผber 40 Jahre waren. Sie stammten aus gesunden Familien und wohnten in keiner Kropfgegend. Niemand aus ihrer Verwandtschaft war mit einem Kropf behaftet.
Die Lebensweise der Patientinnen bot nichts Auffallendes dar. Die Patientinnen waren frรผher nie ernstlich krankgewesen, hatten vor Allem keine schweren Infektionskrankheiten durchgemacht, an die sich Schilddrรผsenkrankheiten, besonders Strumitis, hรคufig anschlieรen. Lues und Tuberkulose waren klinisch auszuschlieรen.
Die Vergrรถรerung der Schilddrรผse wurde in allen Fรคllen zufรคllig entdeckt. Es bestanden dabei keine nennenswerten Beschwerden. Bei gutem Allgemeinzustande und normaler Kรถrpertemperatur fanden wir eine nicht besonders rasche Vergrรถรerung der Schilddrรผse.
Affiziert waren stets beide Lappen. Die Grรถรe des Tumors war wechselnd. Schwere Drucksymptome, wie Dyspnoe oder Aphonie, waren niemals vorhanden.
Nur in einem Fall hatte sich eine leichte Heiserkeit vor der Operation eingestellt, in welchem mangelhafter Schluss beider Stimmbรคnder zu konstatieren war, was auf mangelhafte Funktion des Musculus interarytaenoideus zurรผckzufรผhren war.
Keine Spur von Entzรผndung war an der angeschwollenen Schilddrรผse nachzuweisen. Die Verschieblichkeit des Tumors war ziemlich frei. Aber die Konsistenz war meist so derb, dass man an einen malignen Tumor oder eine Riedelยดsche Strumitis denken konnte. Die Lymphdrรผsen waren regionรคr auch an anderen Kรถrperteilen nirgends abzutasten. An den inneren Organen konnten wir nichts Abnormes finden.
Die operativen Befunde zeigten keine besonders starken Verwachsungen mit dem umgebenden Geweben, wie bei den Riedelยดschen Strumen, was vom betreffenden Autor ausdrรผcklich betont wurde. Eine postoperative Heiserkeit ist in allen Fรคllen mehr oder weniger zurรผckgeblieben, obwohl es sich stets um einen sehr leichten Grad handelte.
Im weiteren Verlauf nach der Operation trat angeblich ein รdem am ganzen Kรถrper auf, was auf innerliche Verabreichung von Schilddrรผsenprรคparat zu verschwinden pflegte.
Es ist besonders hervorzuheben, dass, wรคhrend bei den sonstigen in unserer Klinik beobachteten gutartigen Strumafรคllen der postoperative Verlauf sich ganz glatt gestaltete, es bei den oben genannten Fรคllen stets einer langandauernden Rekonvaleszenz bedurfte bis zur Wiederherstellung des vollen Gesundheitszustandes.
In einem Fall (Fall 4) soll angeblich ein Strumarezidiv eine Zeit lang aufgetreten sein, dass aber bald wieder auf ein Minimum zurรผckging.
Histologischer Befund
Es wurde aus den in 90 proc. Alkohol (Fall 1, 3 und 4) oder in 10 proc. Formollรถsung (Fall 2) aufbewahrten Gewebe ein kleines Stรผck exzidiert, in Celloidin eingebettet und feine Schnitte angefertigt. Die Fรคrbung geschah mit Hรคmatoxylin-Eosin-Doppelfรคrbung und nach van Gieson.
In einzelnen Fรคllen kam auch die Weigertยดsche Fรคrbung in Anwendung. Anderweitig angewandte Fรคrbemethoden werden bei Gelegenheit der betreffenden histologischen Beschreibung angegeben werden.
Alle unsere 4 Fรคlle besitzen unter einander einen erheblichen pathologisch-anatomischen Befund. Insbesondere zeichnet sich der zweite und der dritte Fall durch besonders instruktive Verรคnderungen aus.
Was die Infiltration des Gewebes durch Rundzellen und die Parenchymdegeneration anbetrifft, so ist der Fall 4 am schwersten befallen. Die Lymphfollikel sind bei Fall 2 und 3 auffallend reichlich entwickelt.
Da Fall 2 und 3 im Allgemeinen ein gut entwickeltes Krankheitsbild zeigen, so mรถchte ich mich im Nachfolgenden hauptsรคchlich mit diesen beiden Fรคllen beschรคftigten. Der Fall 4 bietet ein etwas abweichendes Bild von den drei anderen dar. Doch ist derselbe nicht anders als eine vorgeschrittene Verรคnderung zu deuten.
Unter dem Mikroskop bekommen wir verschiedene bemerkenswerte Befunde zu sehen, vor allem jedoch die auffallende Reichlichkeit an Lymphfollikeln, diffuse Verรคnderung der Drรผsenfollikel und damit verbundene Bindegewebsneubildung.
Die Lymphfollikel befinden sich besonders reichlich an der Randzone des exstirpierten Drรผsengewebes. Sie sitzen sowohl innerhalb der Lรคppchen als auch in den Interstitien zerstreut oder dicht gelagert. Die Form und Grรถรe der Lymphfollikel ist hรถchst variabel, meist polygonal, spindelfรถrmig, rundlich oder unregelmรครig.
Sie besitzen meist im Innern ein scharf gegen die Umgebung abgrenzendes Keimzentrum, in dem wir eine charakteristische Zellform finden, die meist mit einem blass gefรคrbten, blasigen Kernkรถrperchen versehen ist. Die Form der Kerne dieser Zellen ist in unseren Prรคparaten sehr mannigfaltig: oval, abgerundet, drei- oder viereckig, rhombisch, halbmondfรถrmig oder unregelmรครig.
Im Keimzentrum befinden sich stets groรe und kleine Lymphozyten, und zwar die letzteren geringer an Zahl als die ersten. Ihre Kerne sind stark gefรคrbt mit 1 bis 4 besonders stark differenzierten Granula. Hier und dort sehen wir mit Endothelzellen versehene Kapillaren, sowie Retikulumzellen.
Sehr vereinzelt finden wir auch Plasmazellen, deren Kerne exzentrisch gelegen und mit einem in typischer Weise angeordnetem Chromatinnetz versehen sind.
Im รbrigen sehen wir im Keimzentrum durch Hรคmatoxylin stark tingirbare, รคuรerst kleine rundliche Kรถrnchen, die hรถchstwahrscheinlich den nach Flemming โtingible Kรถrperchenโ genannten entsprechen. Daneben sei bemerkt, dass die mitotischen Kernteilungsfiguren im Keimzentrum sehr reichlich zu sehen sind.
Die Randzone des Lymphfollikels besteht aus retikulรคrem Bindegewebe und enthรคlt in seinen Maschenwerken dicht aneinander gedrรคngte Lymphozyten. Hier finden wir auch die Endothelzellen der Kapillaren, eine andere Art Zellen, die mit der des Keimzentrums identisch erscheinen, sowie reichliche kleine Lymphozyten.
Die Lymphozyten nahe am Keimzentrum sind in parallelen Reihen angeordnet und schlieรen am Innern Retikulumzellen ein. Elastische Fasern lassen sich im Lymphfollikel schwer auffinden.
Die Grรถรe der Blรคschen variiert sehr je nach dem Falle. Beim Fall 1 sind die Blรคschen im Allgemeinen groร, aber beim Fall 4 klein. Die Grรถรe der einzelnen Blรคschen schwankt im Querschnitt zwischen 30 bis 360 ยต.
Was die Form der kleinen bis mittelgroรen Blรคschen betrifft, so zeigt dieselbe meist rundlichen oder ovalen Querschnitt, dagegen an der Stelle, wo die Blรคschen groร erscheinen, sehen wir eine unregelmรครig gestaltete Form. Das Zahlenverhรคltnis der Blรคschen verschiedener Grรถรe unter einander lรคsst sich im Allgemeinen schwer bestimmen.
Es bezieht sich vornehmlich auf den Zustand des Interstitiums und die Rundzelleninfiltration. Wo sich das Bindegewebe des Interstitiums stark entwickelt hatte oder die Rundzelleninfiltration auffallend vorhanden war, waren die kleineren Blรคschen in der รberzahl zu sehen.
Besonders beim Fall 4 herrschen die kleineren Blรคschen vor. Hier gibt es auch solche, die fast ausschlieรlich aus sehr kleinen Blรคschen von ca. 30 ยต Durchmesser bestehen, ja sogar oft in Haufen regellos nebeneinander liegende Epithelzellen.
Also lรคsst sich hier keine Andeutung von Blรคschenstruktur mehr erkennen. Diese letztgenannten Blรคschen kommen auch im Fall 1, 2 und 3 vor und sind von gewuchertem, interstitiellem Bindegewebe begleitet.
In dem hyperplasierten Bindegewebe befinden sich meist einige in einer Gruppe zusammenliegende oder nur vereinzelte zerstreute Epithelzellen. Diese Zellen lassen durch ihre Grรถรe, Form, sowie Verhalten des Kerns leicht erkennen, dass sie von atrophierten Blรคschen abstammen.
Bezรผglich der Form der Blรคschenzellen finden wir eine abgeplattete in prall gefรผlltem Zustande, eine kubische bei weniger starker Fรผllung und eine zylindrische bei derjenigen, welche nur eine geringe Menge Kolloidsubstanz oder anstatt derselben irgendetwas Abnormes enthรคlt.
Wรคhrend die mit Kolloid gefรผllten Blรคschen nur beim Fall 1 fast durch das ganze Gewebe hindurch disseminiert waren, fanden wir bei den sonstigen Fรคllen diffus verbreitete charakteristische Blรคschen, die sich durch kubische bis langzylindrische Gestalt auszeichnen.
Das Wandepithel des Follikels ist meist einschichtig angeordnet. Das Protoplasma dieser Zellen ist an einzelnen Stellen durch Eosin schรถn oder an anderen schmutzig gefรคrbt. Der Kern lag bei den zylindrischen Zellen im Basalteil, dagegen bei den kubischen ausschlieรlich in der Mitte. Die Kerne waren meist oval oder rundlich gestaltet, mit feinen, reichlichen Granula, sowie mit einem bis vier Kernkรถrperchen versehen.
Im Zellleib und zwischen den einzelnen Zellen finden wir hier und dort kleine eingewanderte, mononukleรคre Leukozyten, die zuweilen eine lรคnglich ovale Gestalt angenommen haben.
Innerhalb der Epithelzellen (Fall 2) sehen wir durch Flemmingยดsche Lรถsung schwarz, durch Sudan III oder Scharlachrot rรถtlich tingierbare Kรถrnchen. Es dรผrften die von Erdheim bei normalen und pathologisch verรคnderten Schilddrรผsen bereits ausfรผhrlich geschilderten Gebilde sein, die dieser Forscher als Fettkรถrnchen deutet.
Diese Kรถrnchen finden sich sowohl in den Epithelzellen der gewรถhnlichen Follikel als auch in einfach in Haufen angeordneten Zellen. Und zwar finden sich diese Kรถrnchen bei den ersten Zellarten reichlich an die zentrale Partie der Zellen herangerรผckt. Die Kontur der Follikel ist meist nicht scharf. An einzelnen Stellen erscheint sie aber ziemlich deutlich.
Das Kolloid in den Blรคschen verhรคlt sich bei unseren Fรคllen sehr mannigfaltig. Bei gewissen Follikeln sind sie mit Kolloid angefรผllt, so dass das Wandepithel dadurch gedrรผckt und abgeplattet worden war.
Die Vakuolenbildung , die wahrscheinlich ein Kunstprodukt darstellt, dass durch die Gerinnung des Kolloids entstanden sein mag, ist vielfach in einer groรen Zahl als kleine Hohlrรคume am inneren Rande oder selten im Zentrum des Follikels nachzuweisen.
Was die Fรคrbbarkeit des Kolloids betrifft, so verhรคlt sie sich je nach der Stelle verschieden. Bei gut erhaltenen Blรคschen ist das Kolloid meist gut gefรคrbt, aber bei anderen, wo das Follikelepithel hochgradig verรคndert ist, trifft man nur eine schlechte Fรคrbbarkeit des Kolloids an.
Bei den letztgenannten Fรคllen finden sich im Innern der Blรคschen statt des homogenen, eosinophilen Kolloids Haufen von schmutzig eosinophilen Kรถrnchen.
Allgemein ausgedrรผckt, kann man sagen, dass die Kolloidsubstanz stark, ja sogar in verรคnderten Follikeln fast bis zum vรถlligen Schwund vermindert ist. Die kolloidรคhnliche Substanz wurde beim Fall 1 in den Lymphgefรครen prall gefรผllt nachgewiesen, dagegen bei anderen konnten wir sie weder in den Lymphgefรครen , noch in den Venen oder in den Arterien auffinden.
In den Blรคschen stehen wir auรerdem noch verschiedene andere Elemente, von denen die kolloidarmen besonders reichlich vertreten sind: Diese Elemente bestanden aus Epithelzellen, Leukozyten oder deren Abkรถmmlingen, sowie einer scholligen Masse.
Die Epithelzellen sind hier teilweise beinahe wie normales Wandepithel beschaffen, mit scharfer Zellkonfiguration und mit gut gefรคrbten Zellbestandteilen.
Daneben finden wir auch Epithelzellen mit undeutlichem Ptotoplasma oder zusammengeballtes Konglomerat von Epithelzellen, die in Verรถdung begriffen sind oder sich schon vollstรคndig in Schollen umgewandelt haben.
Die Wanderzellen mit meist rundlichen oder sehr selten gelappten Kernen sind in den Blรคschen in verschiedener Zahl vorhanden. Die Epithelzellen liegen in den Blรคschen ohne scharfe Grenze dicht an die Wand oder im Innern in einem gewissen Abstand von der Wand.
In geringer Anzahl sehen wir in den Blรคschen mit Eosin gut gefรคrbte Zellen, deren Kernpigment radarartig angeordnet ist angeordnet ist: Es handelt sich also um Plasmazellen.
Das Verhalten des Bindegewebes ist bei unseren Fรคllen ein sehr wichtiges. Es zeigte sich รผberall ausgesprochene Wucherung, die durch die van Giesonยดsche Fรคrbung ein sehr schรถnes Bild darbietet. Dieselbe trat diffus auf und war beim Fall 4 besonders stark ausgeprรคgt, so dass die lobulรคre Anordnung der Blรคschen nicht mehr erkennbar war.
Interessant war auch die Beziehung zwischen der Bindegewebswucherung und der Verรคnderung der Blรคschen. Die Blรคschen in dem gewucherten Bindegewebe traten รผberhaupt sehr spรคrlich auf und zeichneten sich durch ihre kleine Gestalt aus.
Sie enthielten nur wenig Substanz und das Wenige stellte sich als eine kleine Menge von amorpher, schmutzig blass rot gefรคrbter Substanz dar. An einzelnen Stellen sieht man eine zirkumskripte, mรคchtig entwickelte Bindegewebsmasse, die in ihrem Innern eine Anzahl an sehr kleinen Blรคschen einschloss.
Ferner erschien es sehr auffallend, dass das Bindegewebe durch mononukleare Leukozyten diffus infiltriert war. Diese Rundzelleninfiltration, die hauptsรคchlich aus kleinen Lymphozyten bestand, wies in allen unseren Fรคllen denselben charakteristischen Befund auf. Zwischen diesen Rundzellen sahen wir noch eine mรครige Zahl von Plasmazellen, deren Protoplasma und Kerne ganz typisch gefรคrbt waren.
Die Rundzelleninfiltration betraf hauptsรคchlich die Umgebung einiger groรer Gefรครe. Die riesenzellรคhnlichen Gebilde, die mit randstรคndigen, zahlreichen Kernen und rotgefรคrbtem Protoplasma versehen waren, fanden sich beim Fall 4 durch das gewucherte Bindegewebe zerstreut.
Was die Gefรครe anbetrifft, so schienen dieselben bei allen unseren Fรคllen nicht merklich verรคndert zu sein. Wir sahen relativ reichliche Gefรครe in den Knotenpunkten der Bindegewebsbalken, die die Blรคschen durchlaufen und sie in Lรคppchen einteilen. Eine reichliche Neubildung der Gefรครe war jedoch ein keinem Fall bedeutend.
รbrigens hatte ich nicht versรคumt, anzahlreichen Paraffinschnitten nach Bakterien zu fahnden (Karbolfuchsin, Methylenblau, Gramยดsche Fรคrbung etc.). Trotz eifrigen Suchens wurden nirgends Mikroorganismen gefunden.
Zusammenfassung der histologischen Verรคnderung
Es ergibt sich aus den eben zitierten histologischen Befunden, dass die Hauptverรคnderungen unserer sรคmtlichen Fรคlle bestehen:
- 1. In zahlreichen Lymphfollikelbildungen
- 2. in einer auffallenden Verรคnderung der Blรคschenepithelien sowie ihres Inhaltes
- 3. In ausgedehnten Bindegewebsneubildungen
- 4. In diffuser Rundzelleninfiltration.
Sehen wir die pathologisch-anatomischen Befunde unserer 4 Fรคlle durch, so kรถnnen wir sofort รผbereinstimmende Verรคnderungen herausfinden, wenn solche auch graduelle Unterschiede aufweisen.
Beim Fall 1 ist die Verรคnderung der Blรคschen sehr geringfรผgig, indem man sie gut mit Kolloid gefรผllt, mit fast normalen Follikeln versehen und mit gut erhaltenen Epithelzellen antrifft. Hier sind aber die Blรคschen nicht so groร, wie wir dieselben bei einer ausgeprรคgten Kolloidstruma zu sehen gewรถhnt sind.
Beim Fall 2 und 3 sind die Blรคschen in typischer Weise verรคndert: Sie zeigen zur Verรถdung neigende Epithelzellen, atrophierte Blรคschenreste und abnormen Inhalt. Beim Fall 4 sind die Blรคschen im Allgemeinen klein, atrophisch, mit wenig Kolloid und abnormem Inhalt versehen.
Die Rundzelleninfiltration ist beim Fall 1 nur wenig, beim Fall 2 und 3 mรครig stark, aber beim Fall 4 auffallend starkausgeprรคgt. Diese Rundzellen bestehen sowohl aus mononuklearen Lymphozyten, als auch aus Plasmazellen. Die Lymphfollikel befinden sich beim Fall1 mรครig reichlich, beim Fall 2 und 3 sehr reichlich vor.
Die Bindegewebswucherung ist beim Fall 1 fast nicht nachzuweisen, dagegen beim Fall2 und 3 hat sie sich ziemlich stark und beim Fall 4 sehr stark entwickelt. Die Verรคnderung des Parenchyms ist beim Fall 1 nur leicht, beim Fall 2 und 3 mittelstark und beim Fall 4 hochgradig fortgeschritten.
So kรถnnen wir mit aller Wahrscheinlichkeit annehmen, dass hier die lymphatischen Elemente durch ein gewisses Moment zur Entwicklung gereizt worden sind, die sich als Lymphfollikelbildungen, sowie als Lymphozyteninfiltration รคuรerte. Allerdings kรถnnen wir dabei nicht ausschlieรen, ob nicht die Auswanderung der Blutzellen aus den Gefรครen mitbeteiligt ist.
Wรคhrend man bei Fall 1 sowohl im Parenchym als auch im Interstitium zweifelhafte entzรผndliche Verรคnderung nachweisen kann, sieht man bei den sonstigen 3 Fรคllen รผbereinstimmend mehr einen fรผr chronische Entzรผndung sprechenden Befund.
Wie man bei chronischen Entzรผndungen, insbesondere bei Schleimhautkatarrhen, Lymphozyteninfiltration, sowie die Bildung richtiger kleiner Lymphfollikel zu sehen bekommt, darf man wohl annehmen, dass sich diese Verรคnderung auch im analogen Sinne an der Schilddrรผse abspielt.
Indessen mรผssen wir noch an verschiedene andere Mรถglichkeiten denken, bevor wir auf die Besprechung der Krankheitsgenese dieser Verรคnderung eingehen, da wir wissen, dass ein รคhnliches Krankheitsbild auch in anderen Organen auftreten kann, dass von manchen Autoren bisher verschiedentlich gedeutet wurde.
Die Mikuliczยดsche Krankheit ist wohl ein gutes Beispiel dafรผr. Auf den nรคheren Zusammenhang dieser Affektion mit der unsrigen mรถchte ich spรคter noch einmal zurรผckkommen.
Es lรคsst sich jedenfalls schwer entscheiden, ob die genannten Verรคnderungen in unseren Prรคparaten infolge chronischer Entzรผndung oder im Sinne der Mikuliczยดschen Krankheit entstanden sind.
Vergleichende Besprechung
Vergleichen wir die klinischen und die histologischen Befunden unserer Fรคlle mit denen anderer รคhnlicher Schilddrรผsenkrankheiten, so kommt man zu einem recht interessanten Resultate. Klinisch zeichneten sich alle meine Fรคlle durch die derbe Konsistenz aus und lassen so an Struma fibrosa oder maligna denken.
Die Struma fibrosa kommt รผberhaupt selten vor und erscheint dann bald als circumscripte, bald knotige oder knollige Geschwulst, besonders bei alten Krรถpfen, sehr selten aber als diffuse Verdickung eines Lappens oder der ganzen Drรผse.
Die circumscripte Form einer solchen Struma zeichnet sich durch zahlreiche, harte, erbsen- bis hรผhnereigroรe Knoten aus.
Selten erreichen einzelne dieser Knoten eine betrรคchtliche Grรถรe. Indessen kรถnnen alle zusammen einen mรคchtigen Kropf ausmachen. Die diffuse Forme geht oft mit einer betrรคchtlichen Verkleinerung des genannten Organs einher.
Unsere Struma zeigte nicht das knotige Bild, dass der circumscripten Struma fibrosa eigen ist. Nur die bindegewebige Wucherung in unseren Fรคllen bot eine gewisse รhnlichkeit mit der diffusen fibrรถsen Struma dar.
Im รbrigen besteht ein groรer Unterschied zwischen , da bei der Struma fibrosa die typische parenchymatรถse Verรคnderung mit diffuser Rundzelleninfiltration und Lymphfollikelbildung vรถllig fehlt.
Wir hegen auch einen gewissen Verdacht auf bรถsartige Struma, obwohl wir keine starke Verwachsung mit der Umgebung und keine Drรผsenmetastase nachweisen konnten. Der mikroskopische Befund sowie der postoperative Verlauf gaben uns sicheren Aufschluss, dass es sich hier weder um Struma fibrosa, noch um Struma maligna handelte.
Zwar boten unsere Fรคlle Mehrschichtigkeit der hohen Follikelepithelien, Gruppierung der zerstreuten Epithelzellen im gewucherten Bindegewebe und Mangel an Kolloidmasse dar, was alles fรผr eine bรถsartige Geschwulst spricht. Doch mรถchte ich die Diagnose der bรถsartigen Neubildung nicht stellen, weil nirgends atypische Neubildung der Epithelzellen nachweisbar war.
Klinisch konnten wir am ganzen Kรถrper keine der Metastase verdรคchtige Drรผsenanschwellung oder Knochendeformation konstatieren. Obwohl ich glaube, durch die obigen Ausfรผhrungen den Verdacht auf eine epitheliale Neubildung genรผgend ausgeschlossen zu haben, bleibt noch die Frage nach der Mรถglichkeit einer Neubildung bindegewebiger Natur mit Lymphfollikelbildung und Lymphozytenansammlungen zu beantworten รผbrig. Hier kommt in erster Linie das Lymphosarkom in Betracht.
Da das Lymphosarkom seinen Ausgang aus dem lymphatischen Gewebe nimmt, so besitzt dasselbe in seinem Bau immerhin noch die lymphatische Struktur als Grundzug. Die Metastasen werden hauptsรคchlich in den benachbarten, lymphatischen Apparaten gebildet.
Die Elemente des Tumors bestehen hauptsรคchlich aus Lymphozyten, gefรครhaltigem Retikulum, welchem Endothelien anliegen, und eosinophilen Zellen. Dagegen vermissen wir vollkommen den charakteristischen Aufbau von Lymphbahnen einerseits und von Follikeln andererseits.
Auรerdem sind dieselben nur sehr unvollkommen ausgebildet. Bei unseren Fรคllen finden wir รผberall zahllose Lymphozyteninfiltrationen in ausgedehntem Bereich. An anderen Stellen bilden dieselben deutliche Lymphfollikel.
Die typischen Lymphfollikel mit deutlichen Keimzentren kommen als ein Hauptbestandteil der Geschwulst nie bei Lymphosarkom vor. Somit kรถnnen wir unsere Befunde mit Sicherheit als eine gutartige Verรคnderung deuten.
Andere Sarkomformen kommen hier nicht in Betracht. Ferner zeichnen sich unsere Fรคlle nach Ausschluss der echten Neubildungen besonders dadurch aus, dass die Tumorreste post operationem allmรคhlich von selbst verschwanden.
Die Vergleichung entzรผndlicher Prozesse der Schilddrรผse
Ich wende mich nun zur Vergleichung mit den entzรผndlichen Prozessen der Schilddrรผse.
Die akute Entzรผndung der Schilddrรผse kรถnnen wir in eine interstitielle und eine parenchymatรถse einteilen. Die erste ist bisher nur bei eitrigen Fรคllen oder bei eitriger Schmelzung beschrieben worden. Die letztere kann bei nichteitriger Thyreoiditis beobachtet werden.
Nach Quervain ist diese durch Vermehrung, Abstoรung, und Entartung der Epithelzellen, durch Verรคnderung und Schwund des Kolloids, durch Eindringen von multilokulรคren Leukozyten, kleinen Rundzellen und grรถรeren zelligen Elementen in die Blรคschen, durch die Bildung von Fremdkรถrperriesenzellen um nicht resorbierte Kolloidschollen und endlich durch Auftreten einer bindegewebigen Organisation gekennzeichnet.
Die akute Thyreoiditis beginnt in der Regel plรถtzlich mit den Allgmeinerscheinungen einer fieberhaften Erkrankung, selbst mit Schรผttelfrost. Bei unseren Fรคllen fehlten die subjektiven und auch die objektiven Symptome der akuten Entzรผndung vรถllig. Ebenso fehlte im histologischen Bilde das Zeichen der akuten Entzรผndung, da polynukleรคre Lymphozyten nirgends nachweisbar waren.
Die Schilddrรผse bei toxischen und infektiรถsen Erkrankungen wurde von Roger und Garnier, Torri, Kashiwamura, besonders in letzter Zeit von Bayon und Quervain eingehend studiert.
Das dabei benutzte Material stammte von verschiedenen Krankheiten her, so z.B. akutem Exanthem, Scharlach, Variola, Masern, follikulรคrem Darmkatarrh, Diphtherie, Typhus, Pneumonie, puerperalen Infektionen, Osteomyelitis, Erysipelas, eiteriger Peritonitis, Tuberkulose usw.
Nach Roger und Garnier, die sich auf die Untersuchung bei akuten Infektionskrankheiten und bei Tuberkulose beschrรคnkten, zeigte sich das Stรผtzgewebemeist als normal, also ohne Leukozytenanhรคufung; nur war dasselbe scheinbar verdickt durch Einlagerung von Kolloidmaรe zwischen den Hohlrรคumen. Die Gefรครe waren, abgesehen von vermehrtem Blutgehalt, wenig verรคndert.
Aber es fanden sich hier und dort immerhin arteriitische und phlebitische Verรคnderungen mit Thrombosenbildungen. Die Blรคschen bestanden entweder aus Kolloid oder desquamierten, zerfallenen Zellen und waren mit vergrรถรerten Kernen und granuliertem Protoplasma versehen.
Die Epithelzellen der Blรคschen war oft mehrschichtig angeordnet. Die Menge des Kolloides richtet sich je nach der Schwere der Krankheit, kann aber unter Umstรคnden fast vรถllig verschwinden.
Die Autoren fanden bei der Tuberkulose Gewichtsabnahme der Schilddrรผse und Vermehrung des Bindegewebes in derselben. In diesen Septen fanden sich oft im Zerfall begriffene Blรคschen.
Wรคhrend die Venen wenig afficirt sind, zeigen die Arterien einen gewissen Grad von Periarteriitis und bisweilen von Endarteriitis. Das Parenchym zeigt stellenweise Vermehrung von Blรคschenzellen, sowie der Zellhaufen zwischen den Blรคschen.
Torri untersuchte die Schilddrรผse von an acuten und chronischen Infektionskrankheiten verstorbenen Personen und fand Hypersekretion des Kolloids und Epithelwucherung. Er wies ferner bei der Tuberkulose aktive Neubildung der Epithelien, sowie hรคufig eine Vermehrung der Kolloidmaรe nach.
Nach Kashiwamura tritt die Bindegewebswucherung bei den meisten Fรคllen von Lungenschwindsucht in den Vordergrund. Es wurde aber auf einen gleichen Befund auch bei anderen infektiรถsen und toxischen Erkrankungen von ihm hingewiesen. In der Mehrzahl der Fรคlle fand der Autor Kolloid in den Lymphgefรครen in wechselnden Mengen.
Blutgefรครe und Kapillaren warn oft stark damit gefรผllt. Die Befunde, die durch Anwesenheit besonders zahlreicher kleiner Follikel gekennzeichnet sind, lassen sich nach ihm nicht als charakteristischer Befund fรผr die Infektionskrankheiten heranziehen.
Nach Quervain, dem wir die planmรครigen und eingehenden Untersuchungen รผber diesen Gegenstand verdanken, bestanden die Leichenfunde bei Infektionskrankheiten in Stรถrung der Kolloidbildung, in Wucherung bzw. Desquamation der Epithelzellen und in Hyperรคmie. Aber niemals zeigte sich der Charakter eines bakteriell infektiรถsen Prozesses mit Austritt von mehrkernigen Leukozyten.
Bei der Beurteilung der Frage, ob im gegebenen Fall Thyreoiditis bakterieller oder toxischer Natur sei, kommt den histologischen Befunden grรถรere Bedeutung zu als dem Culturergebniss. Nach diesem Autor wรคre es nicht zweckmรครig, die bei den Infektionen und Intoxikationen an der Leiche gefundenen Verรคnderungen unter den Begriff Entzรผndung mit dem Namen โtoxische Thyreoiditisโ zu bezeichnen.
Dafรผr hat er die Bezeichnung โtoxische Reaktionโ vorgeschlagen, da die Sache nichts mit einer echten Entzรผndung zu tun hat.
Sarbach hatte das Verhalten der Schilddrรผse bei Infektionen und Intoxikationen untersucht und war zu folgenden Resultaten gekommen: Die akuten Infektionskrankheiten, besonders Scharlach, kรถnnen ausgesprochene histologische Verรคnderungen in der Schilddrรผse hervorrufen.
Die Art der Verรคnderungen ist im Wesentlichen dieselbe, wie bei den sonstigen akuten Infektionskrankheiten. Sie sind durch allgemeine Hyperรคmie, Verflรผssigung und Schwund des Kolloids und Desquamation der Epithelzellen gekennzeichnet.
Der Autor weist bei chronischem Alkoholmissbrauch hรถheren Grades auf eine schรคdigende Wirkung auf das Schilddrรผsengewebe hin. Alkoholmissbrauch ruft eine รคhnliche histologische Verรคnderung wie die Infektionskrankheiten hervor.
Was die chronische Lungentuberkulose betrifft, so fand er in der Mehrzahl der Fรคlle eine auffallende Bindegewebsneubildung, die รผberdies allmรคhliches Schwinden der Follikel hervorrufen kann. Keine Verรคnderung konnte er dagegen bei chronischer Nephritis, Urรคmie, Krebskachexie und Sarkom auffinden.
Vergleichen wir unsere Befunde mit denjenigen anderer Forscher, die sich mit Infektionen und toxischen Erkrankungen beschรคftigen, so mรผssen wir vor Allem hervorheben, dass die Vergrรถรerung der Schilddrรผse in ihren Fรคllen nicht besonders charakteristisch war.
Zum Unterschied von anderen Forschern mรถchte ich bei meinen histologischen Untersuchungen auf die Neubildung von reichlichen Lymphfollikeln hinweisen, ein Befund, auf den meines Wissens bis jetzt noch niemand aufmerksam gemacht hat. Die Verรคnderung des Follikelepithels, die ich bei unseren Fรคllen konstatieren konnte, ist nicht neu, sondern ist schon รถfter erwรคhnt worden.
Bei allen meinen Patientinnen konnte ich keine infektiรถse und toxische Erkrankung in der Anamnese auffinden.
Im Groรen und Ganzen handelt es sich bei unseren histologischen Befunden weder um infektiรถse oder toxische, noch um tumorartige Verรคnderungen, sondern wahrscheinlich um eine eigentรผmliche Art von chronischer Entzรผndung, die bis jetzt meines Wissens noch nicht bekannt gemacht worden ist. So will ich im Folgenden zur Besprechung der chronischen Entzรผndung der Schilddrรผse รผbergehen.
Rokitansky รคuรerte, dass bei der Entzรผndung der Schilddrรผse abgesetzte faserstoffartige Exsudate spรคter ein resistentes fibrรถses Gewebe hervorrufen, wรคhrend die Drรผsenblรคschen nach und nach zum Schwinden gebracht werden.
Virchow hob hervor, dass die Entstehung des Faserkropfes auch auf einen entzรผndungsartigen Vorgang zurรผckzufรผhren sei.
Nach Wรถlfler stellt sich die chronische Entzรผndung des Drรผsenparenchyms wie folgt dar:
In der Corticalsubstanz der entzรผndeten Schilddrรผse fehlen fast durchweg normale Drรผsenblรคschen. Nur hier und da sieht man noch zerstreute Kolloidschollen als einstigen Inhalt der Blรคschen.
Im Bindegewebe befindet sich eine Wucherung des Gefรครendothels und damit auch ovale, spindelfรถrmige und geschwรคnzte Zellen, welche schon ihrem Aussehen nach als Bindegewebselemente anzusprechen sind.
In der zentralen Partie sehen wir zwischen den gut erhaltenen Blรคschen hier und da lichte, wie von geronnener Lymphe erfรผllte Rรคume, in welchen man mehrkernige Bildungszellen (Riesenzellen) findet. Auch an einzelnen Stellen befindet sich in den Blรคschen eine fremdartige, eingeschwemmt erscheinende Masse, die vom Kolloid durch die Kรถrnung sich unterscheidet.
Je mehr wir uns von der Peripherie entfernen, um so mehr sehen wir eine Verminderung der epithelialen Elemente. In der fibrรถsen Gewebspartie, welche an manchen Stellen den einzigen wesentlichen Gewebsbestandteil ausmacht, liegen Blutextravasate in verschiedener Ausdehnung.
Wir bemerken auch das Vorhandensein der Riesenzellen und entzรผndliche Vorgรคnge um zahlreiche groรe Gefรครe, welchen die Bindegewebsneubildung ihren Ausgang nimmt.
Da die Gefรครwand eine entzรผndliche Verรคnderung zeigt, so fรคllt es nicht schwer, von diesen Gefรครen aus die weitere Umwandlung derselben zu geschichteten Bindegewebsknoten und fibrรถsen Strรคngen zu verfolgen.
Das Endresultat dieser Entzรผndungsvorgรคnge ist wohl immer die Umwandlung zu fibrรถsen Knoten, Strรคngen und Verkalkungsherden.
Die chronische Entzรผndung der Schilddrรผse ist eine sehr seltene Erkrankung. Daher ist ihre klinische und histologische Beschreibung in der Literatur stiefmรผtterlich behandelt.
Auf dem 15. Chirurgen-Kongress (1896) berichtete Riedel รผber eine eigentรผmliche Art von chronischer Entzรผndung der Schilddrรผse und machte darauf Aufmerksam, dass sich dabei eine auffallende Tumorbildung zeigt, รคhnlich wie bei der chronischen Entzรผndung der Pankreas.
Seither wurden รคhnliche Fรคlle auch von anderen Autoren mitgeteilt und erregten dadurch lebhaftes Interesse in unseren Kreisen.
Die Eigentรผmlichkeit der Erkrankung besteht in einer harten, wie sich Riedel ausdrรผckt โeisenhartenโ unverschiebbaren Geschwulst, die dem ganzen klinischen Bilde nach eher fรผr ein malignes Neoplasma spricht als fรผr eine Entzรผndung.
Bei der Operation fand man die Verwachsung mit den Gefรครen und den Nerven so innig, dass der betreffende Operateur dieselbe fรผr einen inoperablen Tumor hielt und auรer einer kleinen Exzision des Tumors von einem weiteren Eingriff Abstand nahm.
Solche Fรคlle sind bis jetzt von Riedel, Tailhefel, Cordua, Carle, Courmont et Chalier, Silatschek, Spannaus u.s.w. beobachtet worden. Eine solche Struma beginnt schmerzlos, zeigt relativ rasches Wachstum, hat auรerordentlich harte Konsistenz und Fixation in der Tiefe, geht nie mit Verwachsung mit der Haut und einer Erkrankung der regionรคren Lymphdrรผsen einher und macht den Kranken nicht kachektisch.
Ferner machte sich die Affection bald mehr, bald weniger von Aphonie, Dyspnoe, Schlingbeschwerden, Herzklopfen (ohne Tachykardie, Exophthalmus oder Zittern )begleitet geltend.
Die histologische Untersuchung ergibt entzรผndlich infiltriertes und faserig verdicktes Bindegewebe. Zuweilen findet man aber an manchen Stellen junges, fast embryonales Bindegewebe. An Schilddrรผsensubstanz ist nur wenig vorhanden.
In einzelnen Fรคllen zeigt sich in der Tiefe der Schilddrรผse ein der gewรถhnlichen Kolloidstruma รคhnlicher Bau. Durch das junge Bindegewebe wird die follikulรคre Struktur allmรคhlich zerstรถrt, und an Stelle der letzteren tritt derbes, fibrรถses Gewebe.
Bei dem einen Fall von Riedel vermissen wir das derbe Bindegewebe. Es fanden sich nur Anhรคufungen von Rundzellen. Vielleicht bestand der Prozess an dieser Stelle noch nicht lange genug, um zur Ausbildung von Bindegewebe zu fรผhren.
Die Gefรครe weisen im Groรen und Ganzen einen normalen Bau auf, indem sie bisweilen so starke endotheliale Wucherung zeigen, als on ihr Lumen hierdurch nahezu verlegt wรคre.
Das Alter der Patienten ist kein einheitliches. Die Krankheit befรคllt meist Personen von jugendlichem oder mittlerem Alter, die frรผher gesund gewesen waren. Bezรผglich des Geschlechts waren von Mรคnnern doppelt so viel wie Frauen erkrankt.
Bei der meist wegen des Verdachts auf maligne Neubildung vorgenommenen Operation fand man starke, unlรถsbare Verwachsung des Tumors mit der Umgebung, so dass man sich in den meisten Fรคllen hรถchstens mit der Exzision eines Teils der Geschwulst begnรผgen musste.
Im weiteren Verlauf trat immer eine Besserung der Beschwerden und รผberhaupt eine Verkleinerung des Tumors bis zum vรถlligen Schwunde ein. Bei dem neuerdings von Riedel mitgeteilten Fall handelte es sich um benignen Charakter einer solchen eigentรผmlichen Strumaart.
Er operierte einen Fall einer solchen Struma, die mannsfaustgroร gewesen war und die Atemnot, die besonders nachts bis zu Erstickungsanfรคllen anwuchs, hervorgerufen hatte.
Bei der Operation entdeckte der Autor, dass die Geschwulst sehr hart und die Lรถsung von der Umgebung ganz unmรถglich war. Hier wurde nur ein walnussgroรes Stรผck aus der Tumormaรe zur spรคteren Untersuchung exstirpiert, welche mikroskopisch Strumitis chronica erwies. Nach ca. 5 monatigem Verlauf traten wieder Erstickungsanfรคlle auf.
Es wurde wieder ein Keil aus dem Isthmus der Schilddrรผse ausgeschnitten Davon erholte sich der Kranke langsam. ยพ Jahre spรคter war die Geschwulst kleiner geworden und der Kranke wurde ca. 1 ยฝ Jahre nach der Operation wieder arbeitsfรคhig.
Der Unterschied zwischen unseren und den Riedelยดschen Strumafรคllen
Nun mรถchte ich mich mit dem Unterschied zwischen unseren und den Riedelยดschen Strumafรคllen beschรคftigen.
Alle unsere sowie Riedelยดs Patienten waren sonst gesund und hatte vorher keine nennenswerte Krankheit, vor Allem keine schweren Infektionskrankheiten รผberstanden. Die Riedelยดschen Strumen bevorzugten das 3. Decennium und kamen bei Mรคnnern viel hรคufiger als bei Frauen vor.
Unsere sรคmtlichen Fรคlle betrafen Personen von รผber 40 Jahren weiblichen Geschlechts. Die Konsistenz des Tumors war bei unseren Fรคllen meist auffallend derb. Aber man kann sie nicht als โeisenhartโ bezeichnen.
Bei den zur Operation gekommenen Fรคllen von Riedelยดscher Struma gelang die Exstirpation wegen fester Verwachsung mit groรen Gefรครen und Nerven nicht, und es wurde stets nur ein kleines Stรผck davon exzidiert. Dagegen konnten wir bei unseren Fรคllen trotz ziemlich schwerer Abprรคparierung der Kapsel die Resektion doch wie bei einer gutartigen Struma ausfรผhren.
Im histologischen Bilde sehen wir sowohl bei unseren Fรคllen als auch bei den Riedelยดschen Strumen Rundzelleninfiltration, Bindegewebswucherung und Rรผckgang von Blรคschenepithelien.
Von der Lymphfollikelbildung bei den Riedelยดschen Strumen haben wir keine Kenntnis. Der weitere Verlauf war bei beiden Fรคllen fast derselbe. Die fรผhlbaren Tumorreste gingen allmรคhlich zurรผck.
Die Tuberkulose der Schilddrรผse tritt im anatomischen Bilde in zweierlei Formen auf. Die erste hรคufigere Form tritt als Teilerscheinung der allgemeinen Tuberkulose in Form von Miliartuberkulose auf und befรคllt bald die ganze Drรผse, bald einzelne Teile der selben. Die Knรถtchen sind verschieden groร, grau, grauweiร oder gelb gefรคrbt.
Die zweite Form weist grรถรere Tuberkelknoten oder Kรคscherde auf. Diese Knotenform ist selten, aber praktisch wichtig, da sie chronisch verlรคuft und zur Vergrรถรerung der Schilddrรผse fรผhren kann.
P. Bruns beschreibt einen der bรถsartigen Struma tรคuschend รคhnlichen Fall, bei dem es sich klinisch um eine primรคre Schilddrรผsentuberkulose gehandelt hatte.
Zwar zeigen unserer Fรคlle gewissen รhnlichkeit mit der Tuberkulose,aber das klinische Bild war so abweichend, dass es nicht nรถtig erscheint, darรผber Weiteres zu erwรคhnen.
Die syphilitische Erkrankung der Schilddrรผse tritt bei frischer Infektion relativ hรคufig auf, aber selten bei der Spรคtform. รber die Beteiligung des Organs in der Frรผhperiode der Syphilis hatte Engel-Reimers genaue Untersuchungen angestellt.
In der Regel handelt es sich bei der Affection um eine weiche, vรถllig schmerzlose Anschwellung, welche die Kranken gar nicht belรคstigt, also den meisten unbekannt bleibt. Bisweilen trifft man eine ausgesprochene Anschwellung an.
Uns interessiert die Schilddrรผsensyphilis nach zwei Richtungen hin. Einmal kann das Drรผsenparenchym durch den syphilitischen Prozess gรคnzlich zerstรถrt werden, und es kรถnnen so Ausfallserscheinungen hervorgerufen werden. Zweitens kann durch die Bildung einer syphilitischen Struma eine bรถsartige Neubildung vorgetรคuscht werden.
In diesem Falle sahen wir plรถtzlich eintretendes schnelles Wachstum des Kropfes, welches Atembeschwerden und Recurrenslรคhmung, ferner Schmerzen, Verwachsung mit der Umgebung und eine Schwellung der benachbarten Lymphdrรผsen hervorrufen kann.
Die eigentliche Struma syphilitica beruht meist auf gummรถser Entartung der Schilddrรผse und besteht in von Rundzellen durchsetztem Bindegewebe ohne Reste von Schilddrรผsenparenchym und ohne spezifische Bildung. Auรerdem kann man, wie schon erwรคhnt, bei frischer Syphilis eine vorรผbergehende leichte Struma, seltener aber eine groรe Kropfgeschwulst konstatieren.
Unsere Fรคlle sprechen in jeder Beziehung vรถllig gegen frische Syphilis. Ebenso wenig konnten wir bei der Operation ein speckiges Aussehen des Zellgewebes konstatieren, dass der syphilitischen Struma eigentรผmlich ist.
Histologisch fanden wir keine Gummiknoten bei unseren Fรคllen, ebenso wenig eine Gefรครalteration, die fรผr die interstitielle, fibrรถse Form des syphilitischen Struma einigermaรen charakteristisch zu sein pflegt.
Aktinomykose und Echinococcus der Schilddrรผse, die sehr selten vorkommen, wurden bei unseren Fรคllen vermisst.
Es braucht kaum erwรคhnt zu werden, dass wir unsere histologischen Befunde mit denen der Struma parenchymatosa und vasculosa verglichen haben. Bei den zwei letztgenannten fehlen jedoch die charakteristischen Verรคnderungen, wie sie unsere Fรคlle aufweisen.
Alles in Allem genommen kรถnnen wir wenigstens unter der mir zugรคnglichen Literatur keinen einzigen รคhnlichen Fall wie die meinigen auffinden.
Wenn wir nach einer solchen Verรคnderung in anderen Organen suchen, in denen wir Lymphfollikelbildung mit Lymphozyteninfiltration und mit gewissem parenchymatรถsen Rรผckgang nachweisen kรถnnen, kommt in erster Linie die Mikuliczยดsche Krankheit in Betracht.
Im Jahre 1892 wurde von v. Mikulicz ein Krankheitsbild, welches durch symmetrische Erkrankung der Trรคnen- und Speicheldrรผse gekennzeichnet ist, grundlegend verรถffentlicht. Seitdem sind eine Anzahl diesbezรผglicher Arbeiten erschienen.
Jedoch herrschte รผber die Ansichten betreffs der รtiologie und der pathologisch-anatomischen Stellung dieses eigenartigen Symptomkomplexes bis jetzt keine Einigkeit. Da unter den mit dem Namen Mikuliczยดsche Krankheit bezeichneten Fรคllen eine sehr groรe Mannigfaltigkeit herrscht, so schlug Max von Brunn vor, eine Anzahl von Krankheitsgruppen zu unterscheiden.
Der durchgreifende Unterschied ist durch das Verhalten des Blutes gegeben. Wรคhrend das Blut frei von Verรคnderung bleibt, kommt eine Form von symmetrischer Schwellung der Mundspeicheldrรผse allein, ohne Lymphdrรผsen- und Milzschwellung, vor. In anderen Fรคllen konnten symmetrische Schwellung der Trรคnen- oder Mundspeicheldrรผse, bisweilen mit Hautinfiltration, Lymphdrรผsen- und Milzschwellung ohne Blutverรคnderung konstatiert werden. In einer Minderzahl der Fรคlle wurden schwere Anรคmie mit lymphatischer Pseudoleukรคmie und Aplasie des Knochenmarks oder Leukรคmie konstatiert.
Bei der Mikuliczยดschen Krankheit ohne Blutverรคnderung, ohne Lymphdrรผsen- und Milzschwellung, welche in einem langen Verlauf zu wechselnder Kombination von schmerzlosen Trรคnen- und Mundspeicheldrรผsentumoren fรผhrt, handelt es sich durchweg um einen klinisch gutartigen Charakter.
Der Krankheitsprozess scheint nur auf die befallenen Drรผsen beschrรคnkt zu bleiben. Es tritt keine Metastase oder Rezidiv nach der Operation auf. Die Anschwellung geht durch interne Behandlung oder bisweilen auf fieberhafte Erkrankungen zurรผck.
Im histologischen Bilde der erkrankten Drรผse zeigt sich Lymphfollikelbildung oder diffuse Rundzelleninfiltration in verschiedener Weise mit oder ohne deutlichen Parenchymrรผckgang.
In einzelnen Fรคllen besteht die Hauptmaรe des Tumors aus einem ziemliche gleichmรครig angeordneten Gewebe kleiner Rundzellen. Diese Zellen liegen hier dicht zusammen, dort in Maschen des retikulรคren Bindegewebes.
Auรer den lymphozytenartigen Rundzellen sehen wir bisweilen auch eosinophile Zellen und Plasmazellen. Lymphozyten und Plasmazellen enthalten zuweilen Kernteilungsfiguren. Riesenzellen wurden auch beobachtet: sie werden also groรe, rundliche 2-, 3- oder mehrkernigen Gebilde beschrieben. Sie werden von manchen Autoren als phagocytรคre Fremdkรถrperriesenzellen angesehen.
Diese Gebilde werden aber von anderen Autoren anders gedeutet, nรคmlich als die im Zerfall resp. Absterben begriffenen Drรผsenzellen. Das Zwischengewebe zeigt im Allgemeinen eine Hypertrophie. Von besonderer Wichtigkeit ist das Verhalten des pathologischen Gewebes zur Drรผsensubstanz.
Das Parenchym ist bald anscheinend unverรคndert, bald erscheint es sehr zellarm, ja hin und wieder wurden sogar keine Reste von Drรผsensubstanz mehr aufgefunden. Zuweilen wurde eine Tuberkulose der befallenen Drรผse mit dem รผbrigen klinischen Befund in Einklang gebracht, dass sie histologisch mit tuberkulรถser Verรคnderung eine gewisse รhnlichkeit hatten. Hier wurde aber durch eine genaue Untersuchung festgestellt, dass es sich nicht um eine Tuberkulose handelte.
Die symmetrische Schwellung der Trรคnen- und Mundspeicheldrรผsen oder dieselbe mit Hautinfiltration sind bisweilen mit Lymphdrรผsen- oder Milzanschwellung kombiniert.
Diese unterschieden sich klinisch nicht wesentlich von den erstgenannten Fรคllen. Die Anschwellung der Drรผsen entsteht stets allmรคhlich und besitzt eine meist derbe Konsistenz.
Die Lymphdrรผsenanschwellungen befinden sich an verschiedenen Stellen des Kรถrpers, aber sie erreichen meist nur einen geringen Umfang. Die Prognose dieser Fรคlle ist durchweg gรผnstig, sodass die Anschwellung entweder durch interne Behandlung zurรผckgeht oder spontan im Anschluss an fieberhafte Erkrankungen.
Bezรผglich der Histologie haben wir fast genau dieselben Verรคnderungen zu wiederholen, die wir bei den Milz- und Lymphdrรผsenanschwellungen eingehenden Fรคllen erwรคhnten.
Das pathologische Gewebe wurde bald als eine Wucherung des lymphadenoiden Gewebes, bald auch als Granulationsgewebe gedeutet. Riesenzellen sind von vielen Autoren gefunden worden.
Die Degeneration des Drรผsenparenchyms scheint nach dem einen Autor eine passive Rolle zu spielen, wรคhrend ein anderer annimmt, dass es sich um einen primรคren Prozess handele; denn die wenig oder gar nicht von Rundzellen infiltrierten Drรผsenacini kรถnnen ein regressives Aussehen darbieten.
Die Mikuliczยดsche Krankheit mit begleitender schwerer Anรคmie im Bilde von lymphatischer Pseudoleukรคmie oder Leukรคmie zeigt bei der histologischen Untersuchung eine รคhnliche Verรคnderung der befallenen Drรผse wie die der ohne Blutverรคnderung eingehenden Fรคlle.
Die Schlusssรคtze betreffs der Mikuliczยดschen Krankheit lauten: Der Symptomenkomplex der symmetrischen Schwellung der Mundspeicheldrรผse und Trรคnendrรผse bietet klinisch und histologisch ein gleichmรครiges Bild dar, sowohl mit oder ohne pseudoleukรคmischen resp. leukรคmische Symptome. รber die Ursache der Krankheit besteht keine Einheit der Ansichten.
Wenn wir jetzt die klinischen und histologischen Befunde unserer Strumafรคlle mit denen der Mikuliczยดschen Krankheit in Vergleich stellen, finden wir eine groรe รhnlichkeit zwischen beiden.
Bei beiden schwellen die Drรผsen unter Bildung von derben Tumoren an, eigen aber keine merkliche Entzรผndungserscheinungen. Bei beiden handelt es sich nicht um eine bรถsartige Neubildung, sondern der benigne Ausgang ist die ausnahmslose Regel.
Bei beiden Affectionen รผbereinstimmend sind auffallende Rundzelleninfiltration, Lymphfollikelbildung und Rรผckgang des Parenchyms vorhanden. Riesenzellenรคhnliche Gebilde wurden nur einmal bei unseren Strumen beobachtet. Bei der Mikuliczยดschen Krankheit sind sie sehr hรคufig.
Die Bindegewebsneubildungen sind bei beiden Affectionen ausgeprรคgt. Bei der Mikuliczยดschen Krankheit wird sie zwar selten beobachtet, doch bestehen gewisse diesbezรผgliche Verรคnderungen.
Es fehlt leider bei unseren Fรคllen eine genaue Blutuntersuchung. Nur einmal haben wir beim Fall 2 zur Zeit der zweiten Aufnahme eine genauere Blutuntersuchung wie folgt angestellt:
| Hรคmoglobingehalt (Sahli ) | : | 73 pCt. |
| Erythrozyten | : | 3 368 181 |
| Leukozyten | : | 6400 |
| W : R | : | 526 |
| Kleine Lymphozyten | : | 159 = 24,31 pCt. |
| Groรe Lymphozyten | : | 65 = 9,94 pCt. |
| Groรe mononukleรคre Leukozyten | : | 5 = 76,0 pCt. |
| Polynucleรคre neutrophile Leukozyten | : | 381 = 58,26 pCt. |
| Eosinophile Leukozyten | : | 13 = 1,99 pCt. |
| รbergangsformen | : | 28 = 4,28 pCt. |
| Mastzellen | : | 3 = 0,46 pCt. |
| Normoblasten | : | 1 |
| Myelocyten | : | fehlen |
Polychromathophilie, kรถrnige Degeneration und Anisocytose waren nachweisbar.
Ich fand also bei dieser Patientin Vermehrung der Lymphozyten, aber keine anderen nennenswerten Verรคnderungen, die fรผr eine Blutkrankheit sprechen kรถnnten.
รber die Blutbefunde sonstiger Patientinnen wissen wir wenig, da die Untersuchung zur Zeit der Aufnahme nicht ausgefรผhrt worden war. Die nachtrรคgliche Untersuchung der Patientinnen im Jahre 1911 ergab, dass irgendwelche Blutkrankheit bei ihnen nicht besteht.
Lymphdrรผsenschwellungen waren in allen Fรคllen am ganzen, dem Tastsinn zugรคnglichen Kรถrper nirgends nachzuweisen. Keine der Patientinnen war mit Milztumor oder Hautinfiltrationen behaftet.
Wir konnten ferner bei unseren Kranken bis jetzt keine irgendwie fรผr Basedowยดsche Krankheit sprechenden Zeichen auffinden.
A. Kocher und Howald stellten fรผr Morbus Basedowii als charakteristisch hin, dass neben der typischen glandulรคren Hyperplasie auch in auffallender Hรคufigkeit das Vorkommen von Lymphocytenherden mit oder ohne Keimzentren im Stroma und im intralobulรคren Bindegewebe festgestellt werden kann.
Davon sieht man eine aus Leukozyten bestehende perivasculรคre Rundzelleninfiltration in รคhnlicher Weise wie bei gewissen chronischen Entzรผndungen.
Bezรผglich des histologischen Baues wird die Basedowยดsche Krankheit von einigen als ein Analogon der Mikuliczยดschen Krankheit betrachtet. In dieser Hinsicht schlieรen sich unsere Fรคlle noch viel nรคher der Mikuliczยดschen Krankheit an.
Hedinger konnte bei der Struma sarcomatosa reichliche Lymphozytenhaufen, die vielfach typische Keimzentren einschlieรen, nachweisen. Diese Gebilde pflegen sich von der Tumorgrenze gegen das Schilddrรผsengewebe hin zu entwickeln. Nach ihm kommen รคhnliche Verรคnderungen auch bei gutartigen Strumen vor.
รber die Ursache unserer Strumen kรถnnen wir zur Zeit nichts Bestimmtes sagen. Wahrscheinlich ist es aber, dass sich ein chronischer, entzรผndlicher Prozess darin abgespielt haben mag.
Die diffuse Rundzelleninfiltration und der Rรผckgang des Parenchyms, Bindegewebshyperplasie usw. Sprechen fรผr unsere Annahme.
รber die infektiรถsen oder toxischen Einflรผsse haben wir gar keinen Anhaltspunkt.
Trotz der Unklarheiten der รคtiologischen Momente habe ich das Krankheitsbild nach dem histologischen Ergebnis mit dem Namen โlymphomatรถse Verรคnderung der Schilddrรผseโ bezeichnet.
Diese Ansicht setzt voraus, dass in der Schilddrรผse normaler Weise lymphatisches Gewebe vorhanden sein muss, aus welchem unter gewissen Umstรคnden Lymphfollikelbildung und diffuse Rundzelleninfiltration erfolgen kรถnnen.
Wรคre diese Annahme richtig, so unterliegt es keinem Zweifel, dass รคhnliche Verรคnderungen auch bei anderen Schilddrรผsenkrankheiten eintreten kรถnnen, wie bei der Basedowยดschen Krankheit.
Schlusssรคtze
Wenn ich alles noch einmal kurz zusammenfasse, so komme ich zu den folgenden Schlusssรคtzen:
- 1. Es gibt eine Art von Struma, die ich als Struma lymphomatosa bezeichnet habe und die sich histologisch durch eine mรคchtige Wucherung der lymphatischen Elemente, vor Allem der Lymphfollikel und durch gewisse parenchymatรถse, sowie interstitielle Verรคnderungen kennzeichnet.
- 2. Die Struma lymphomatosa bietet in vorgeschrittener Form eine auffallend derbe Konsistenz der Drรผse dar, die eine bรถsartige Geschwulst vortรคuschen kann.
- 3. Im weiteren Verlaufe nach der Operation bedurfte es meist eines langen Zeitraums bis zur Wiederherstellung der Gesundheit.
- 4. Die Prognose ist quoad vitam gรผnstig.
- 5. Die operative Therapie bringt den Tumor zum Verschwinden, aber man muss sich vor zu ausgiebiger Resektion hรผten. Das Zurรผckbleiben eines Teils der Geschwulst schadet nicht. Sie fรคllt mit der Zeit von selbst dem Schwunde anheim.
Zum Schlusse erlaube ich mir, meinem hochverehrten Chef, Herrn Prof. Dr. H. Miyake, fรผr die gรผtige รberlassung des Materials und die Anregung zu dieser Arbeit meinen herzlichen Dank auszusprechen.
Ferner bin ich Herrn Prof. Dr. H. Nakayama, Chef des hiesigen pathologischen Instituts, fรผr seine รคuรerst wertvollen Ratschlรคge bei der histologischen Untersuchung, sowie Herrn Prof. Dr. T. Sakurai fรผr die liebenswรผrdige Bereitwilligkeit, mit der er mir die betreffenden mikrophotographischen Aufnahmen anfertigte, zu wรคrmstem Danke verpflichtet.
Quellenangaben
Hakaru Hashimoto: Zur Kenntnis der lymphomatรถsen Verรคnderungen der Schilddrรผse (Struma lymphomatosa). In: Archiv fรผr klinische Chirurgie. 97, 1912., S. 219โ248.
Prof. Dr. med. Johannes Kรถbberling, 1987: Schilddrรผse: Pionierarbeiten aus eineinhalb Jahrhunderten, 3. Auflage, Henning Berlin GmbH, Berlin 1987
